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Nachweislich echte Fotos: Apple erklärt Zertifizierungsprozess für Apple Reference Image

Während der Vorstellung des iPhone 18 Pro nahm sich Maryam Azimi eine Minute Zeit, um einen neuen Dienst vorzustellen, welcher exklusiv auf Apples neuesten Pro-Modellen bereitsteht: Apple Reference Image. Apples Kameraexpertin fasste kurz zusammen, wie der Konzern zukünftig die Authentizität fotografischer Aufnahmen überprüfbar macht. In einem Beitrag auf Apples Security-Blog liefert der Konzern nun weitere Details zu der Prozedur.


Zunächst beschreibt der Artikel, welche Aufgaben der Referenzmodus meistern soll:

  • Jede Aufnahme im Referenzmodus lässt sich stets auf eine definierte Kombination aus Sensor und Apple-Silicon-Chip zurückführen.
  • Der Entwicklungsprozess von reinen Sensordaten zum sichtbaren Bild bleibt nachvollziehbar.
  • Falls es doch Lücken gibt und Fehler dokumentiert werden, kann die Authentifizierung eines Fotos rückgängig gemacht werden.
  • Die Privatsphäre bleibt erhalten; weder Apple noch andere können den Bildinhalt sehen oder die Identität des Fotografen auf Basis des Echtheitsnachweises ermitteln.

Für diesen Zweck entstand eine Kombination innovativer Hardware- und Software-Komponenten, welche erstmals exklusiv im iPhone 18 Pro (Max) zum Einsatz kommen.

Der Beitrag beschreibt, dass Apple dafür einen eigens entwickelten Bildsensor entwickelte. Aktiviert ein Anwender den Referenzmodus, startet der Sensor in einen sicheren Modus, welcher die Sensordaten kryptografisch signiert. Dabei integriert er Signaturen des Secure-Enclave-Processors (SEP) sowie einen einmaligen Zeitstempel. Damit ist die Rohdatenerfassung an eine Hardware-Kombination und einen Zeitabschnitt gekoppelt, welcher maximal 15 Minuten umfasst.

Tatsächliches Bild mit Private Cloud Compute
Um aus den Sensordaten ein sichtbares Referenzbild zu erzeugen, werden die Rohdaten (Apple nennt es digitales Negativ) auf eine anonyme Instanz übertragen, um dort einer Kette notwendiger Bearbeitungsschritte unterzogen zu werden. Das Resultat wandert zurück ans Ursprungsgerät. Eine umfangreiche Dokumentation des digitalen Entwicklungsprozesses stellt sicher, dass sich diese Prozedur jederzeit wiederholen lässt, die Rohdaten also jederzeit erneut zu demselben betrachtbaren Bild umwandelbar sind.

Für Quantencomputer vorbereitet
Apple hat dabei die Zertifizierung zukunftssicher gestaltet: Die abschließende Signatur eines Referenzbilds verwendet Algorithmen, die auch mit Quantencomputern nicht einfach zu überwinden sind. Falls es doch zu Lücken und erwiesenem Betrug kommen sollte, hat Apple ein System entwickelt, um einzelnen Aufnahmen oder einem iPhone 18 Pro nachträglich die Zertifizierung zu entziehen.

Apple versieht Referenzbilder mit einer Signatur, welche vorsorglich gegen Entschlüsselung durch Quantencomputer geschützt ist. (Quelle: Apple)

Vorkehrungen für Datenschutz
Bei der Gestaltung von Apple Reference Image haben Apples Entwickler zudem auf Vertraulichkeit geachtet: Die Bilder selbst verweilen nicht auf Apples Servern; die verschlüsselten Private-Cloud-Compute-Instanzen verschwinden nach Berechnung des signierten Abbilds spurlos. Apple selbst gibt an, die Bilder nicht entschlüsseln zu können. Ebenso kann jemand, der die Authentizität einer Aufnahme überprüft, nicht auf den Fotografen schließen – die kryptografische Signatur erlaubt keine Rückschlüsse. Und auch der Überprüfende offenbart die eigene Identität nicht gegenüber Apple.

Code für Experten überprüfbar
Die für diese Zwecke entwickelten Algorithmen hält Apple für extrem sicher und verspricht zudem, Sicherheitsforschern Einblick in den Programmcode zu gewähren. Der Allgemeinheit will Apple den Quellcode jedoch nicht bereitstellen. Der umfangreiche Blog-Eintrag enthält noch viele weitere Details, die für Sicherheitsforscher interessant sein dürften. In der Ankündigung des Referenzmodus wies Apple darauf hin, dass dieser in der EU vorerst nur zur Überprüfung von Aufnahmen verwendet werden könne, nicht jedoch zum Erzeugen von Referenzfotos.

Kommentare

macfreakz16.09.26 16:51
Gibt‘s eine Erklärung, warum man das in der EU nicht erzeugen kann? Mich ärgert schon, dass bestimmte Features für EU Bürger später oder nicht geliefert werden.
+4
derguteste
derguteste16.09.26 17:20
Ich kann mir nur vorstellen: Da der ganze Prozess zwingend auf Apple Private Cloud Compute angewiesen ist, und Apple ja die Einführung sämtlicher KI-Infrastruktur in der EU vorerst gestoppt (inkl Private Cloud Compute) hat.
Ein Feature, das technisch zu 100 % auf exakt diese blockierte Cloud-Infrastruktur angewiesen ist, kann somit in der EU gar nicht erst ausgerollt werden.
+4
dan@mac
dan@mac16.09.26 18:34
Verstehe ich es richtig, dass ich nur sehen kann ob etwas verändert wurde, aber nicht was? Im Zweifel funktioniert es also so, dass ich bei Zweifel das Original bekommen muss und dann in der Fotos-App sehe ob es tatsächlich das Original ist oder nicht.
0
Marcel Bresink16.09.26 18:56
macfreakz
Gibt‘s eine Erklärung, warum man das in der EU nicht erzeugen kann?

Vermutlich, weil Apple das hierfür notwendige Datenschutzniveau nicht einhalten kann oder will. Einfach zu behaupten "wir sind sicher", reicht nicht. Apple müsste offenlegen,

  • in welches Land die Daten übertragen werden, wo also die Verarbeitung und die vorübergehende Speicherung vorgenommen wird,
  • mit welchen Sicherheitsmaßnahmen dabei gearbeitet wird, wobei das jedem Nutzer einzeln in einem Auftragsdatenverarbeitungsvertrag schriftlich zugesichert werden muss, und
  • theoretisch muss jeder Nutzer die Einhaltung des Vertrags in einem Audit überprüfen können dürfen.
+3
Metty
Metty16.09.26 19:38
macfreakz
Gibt‘s eine Erklärung, warum man das in der EU nicht erzeugen kann?

Das Thema ist komplex. Apple zählt in der EU als Gatekeeper für iOS. Im Rahmen dessen soll Apple für alle Kerntechnologien die Schnittstellen für Konkurrenten frei geben. Dagegen sträubt sich Apple. Ob das immer berechtigt ist, ist schwer zu beurteilen.

So soll Apple den Zugang zu Apple Intelligence, also seiner KI Engine, auch Konkurrenten frei geben. Wenn jedoch jeder Konkurrent Zugang dazu hat, hat die Konkurrenz auch Zugang zu allen Daten, die Apple doch privat behandeln will. Ein alternativer KI Client könnte sich also an den privaten Daten bedienen und das in die eigenen Datenbanken hochladen. Damit wäre die Privacy für die Katz. Und natürlich würde man Apple später die Schuld dafür geben.
+1
sudoRinger
sudoRinger16.09.26 21:03
Manches lässt sich ja herleiten. Apple beschreibt das Verfahren im Security-Blog nicht als deterministisch, sondern als prüfbar. Forscher dürfen den Code ansehen. Und dort steht auch, warum überhaupt ein Server nötig ist: Bevor ein Bild signiert wird, bewertet PCC es mit einem neuronalen Netz mit geheimen Gewichten daraufhin, ob es zu den erwarteten Sensoreigenschaften passt. Nur dann bekommt der Hash die Signatur. Lägen die Gewichte auf dem iPhone, könnte man eine Fälschung so lange lokal optimieren, bis sie durchgeht.

Es geht also um ein Betriebsgeheimnis von Apple, nicht um das Abfischen von Nutzerdaten. Was hier nicht herausgegeben werden kann, sind Apples Gewichte. Damit geht es nicht um ein Datenschutzrisiko. Dass Apple die Bilder nicht zu sehen bekommt, muss man allerdings glauben.

Will ein anderer Anbieter denselben Zertifizierungsprozess anbieten, braucht er eigene Gewichte und eigene Hardwarebindung. Prüfen ließe sich dessen Bild weiterhin von jedem, mit öffentlichen Schlüsseln. Was sich vermehrt, sind die Vertrauensanker, denen man glauben muss, aber das ist eine andere Frage als die nach der Privatsphäre. Offenbar hat sich Apple noch nicht dazu durchringen können, den Prozess zu standardisieren und für andere Hersteller zu öffnen.

Metty
Damit wäre die Privacy für die Katz.
Nein, siehe oben.
+2
maikdrop17.09.26 01:29
Metty

Es geht um Interoperabilität. D.h. es geht hier um 2 Dimensionen. Ein User muss ein anderes Modell für ein Feature wählen können und Apple muss alle Daten zur Verfügung stellen, die das Apple eigene Modell als Eingabe bekommt zumindest die APIs. Apple muss aber nicht seine eigene Verarbeitungen/Alghoritmen/Gewichtungen etc. offen legen. Und um Datenschutz und auch Datensicherheit geht es nur dann, wenn andere Anbieter mit ihren Modell freien Zugriff auf Kundendaten haben bzw. Apple Schnittstellen dafür veröffentlichen muss, die sie aktuell nur selbst nutzen. Und die abzusichern ist schon allein ne Menge Arbeit. Einfaches Beispiel SQL Injection… nur von Apple genutzte Schnittstellen müssen nicht geschützt werden, von allen genutzte natürlich schon. Und dann noch die Infrastruktur so zu bauen, dass User andere Modelle einsetzen können, ist nochmal ne ganz andere Hausnummer. Die müssen u.a. so abgeschottet sein, dass sie kein Unsinn machen können. Und da Apple das ganze „KI” Zeug tief im OS verankert, ist das alles andere als trivial. Und wenn dann noch Customising dazu kommt, so dass du je nach Feature dem Kunden die Zugriffsrechte für die Modelleingabe ein- und ausschalten lassen willst, wird’s richtig spaßig. Stell dir vor, du möchtest einem anderen Modell Screen Reading erlauben, aber nicht bei deinen Emails. Dass Apple von alledem nicht begeistert ist, steht wohl außer Frage. Das Gute ist, dass Android das bald auch so trifft.
+1
Esterel
Esterel17.09.26 08:35
Metty
macfreakz
Gibt‘s eine Erklärung, warum man das in der EU nicht erzeugen kann?

Das Thema ist komplex. Apple zählt in der EU als Gatekeeper für iOS. Im Rahmen dessen soll Apple für alle Kerntechnologien die Schnittstellen für Konkurrenten frei geben. Dagegen sträubt sich Apple. Ob das immer berechtigt ist, ist schwer zu beurteilen.

So soll Apple den Zugang zu Apple Intelligence, also seiner KI Engine, auch Konkurrenten frei geben. Wenn jedoch jeder Konkurrent Zugang dazu hat, hat die Konkurrenz auch Zugang zu allen Daten, die Apple doch privat behandeln will. Ein alternativer KI Client könnte sich also an den privaten Daten bedienen und das in die eigenen Datenbanken hochladen. Damit wäre die Privacy für die Katz. Und natürlich würde man Apple später die Schuld dafür geben.

Das stimmt so nicht!

Es geht bei Apple Intelligence nicht darum, dass Konkurrenten Zugriff auf Apples KI-Modell selbst bekommen sollen. Der eigentliche Streitpunkt (Art. 6(7) DMA) ist, dass konkurrierende KI-Assistenten (ChatGPT, Gemini etc.) denselben Systemzugriff wie Siri bekommen sollen – also Nachrichten lesen/senden, App-übergreifend handeln, Dateizugriff usw. Apple hat dafür einen "Trusted System Agent" als vermittelnde Sicherheitsschicht vorgeschlagen, die EU-Kommission hat den abgelehnt. Deshalb kommt Siri AI vorerst nicht auf iPhone/iPad in der EU.

Die Kommission sagt nicht "gebt einfach alles frei", sondern verlangt von Apple, konkret zu begründen, welche Einschränkungen wirklich notwendig sind – pauschale Privacy-Argumente reichen ihr nicht. Ob das am Ende wirklich genug Sicherheit bietet oder nicht, ist offen – der Streit läuft noch, es gibt keine Lösung und keinen Starttermin.
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