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Anlasslose Chatkontrolle: EU-Parlament verlängert Übergangsregelung – aber es gibt Einschränkungen

Im April dieses Jahres lief in der Europäischen Union eine Übergangsregelung aus, welche großen Internetplattformen die rechtliche Möglichkeit einräumte, private Chats auf Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu scannen. Das erstreckte sich nicht nur auf Messengerdienste wie etwa WhatsApp, Signal oder Apples iMessage, sondern auch auf E-Mails oder Cloudservices. Die Durchsuchungen konnten dabei ohne konkreten Verdacht und freiwillig erfolgen, waren also nicht verpflichtend. Jetzt hat das EU-Parlament die anlasslose Chatkontrolle reaktiviert, indem es die Ausnahmeregelung um rund zwei Jahre verlängerte. Allerdings beschlossen die Abgeordneten zwei Einschränkungen.


Anlasslose Chatkontrolle soll sexuellen Kindesmissbrauch bekämpfen
Mit der anlasslosen Chatkontrolle soll sexueller Kindesmissbrauch bekämpft werden. Kritiker sehen darin allerdings große Gefahren, da solche Überwachungsmaßnahmen nur allzu leicht auf andere Bereiche übertragen werden und so die Freiheit der Bürger massiv bedrohen könnten. Einige große Tech-Konzerne drängen allerdings (nicht nur) in der Europäischen Union darauf, Inhalte automatisiert durchsuchen zu dürfen, was ihnen eigentlich gemäß der Datenschutzgesetze nicht erlaubt ist. Die jetzt vom EU-Parlament reaktivierte und verlängerte Ausnahmeregelung bietet Unternehmen wie etwa Microsoft, Google oder Meta zumindest die rechtssichere Möglichkeit, solche Scans durchzuführen.

Keine Durchsuchung von Ende-zu-Ende-verschlüsselten Chats
Die Verlängerung der Ausnahmeregelung durch das Parlament kam allerdings nur durch eine Besonderheit zustande. Um den Vorschlag des EU-Rats abzulehnen, war eine absolute Mehrheit der Abgeordneten erforderlich. Die nötigen 360 Nein-Stimmen gab es jedoch bei Weitem nicht: In der entscheidenden Abstimmung am 9. Juli 2026 votierten lediglich 276 für die Zurückweisung, 286 dagegen, 30 Parlamentarier enthielten sich. Der Antrag auf Verlängerung der Ausnahmeregelung galt damit als angenommen. Laut der Pressemitteilung des Europäischen Parlaments erhielten jedoch zwei Änderungsanträge eine Mehrheit. Zum einen soll sich die Chatkontrolle nicht auf Ende-zu-Ende-verschlüsselte Kommunikation erstrecken. Damit wären etwa WhatsApp und Apple iMessage außen vor. Außerdem soll es kein Client Side Scanning geben, das Durchsuchen von Inhalten auf Endgeräten wie Smartphones oder Tablets bleibt also untersagt.

Der EU-Rat hat nunmehr drei Monate Zeit, den beiden Änderungen zuzustimmen oder diese abzulehnen. Sollte der Rat nicht alle Änderungen akzeptieren, muss in einem Vermittlungsausschuss eine Einigung über das Gesetz erzielt werden.

Kommentare

aMacUser
aMacUser10.07.26 23:52
MTN
Die nötigen 360 Nein-Stimmen gab es jedoch bei Weitem nicht: In der entscheidenden Abstimmung am 9. Juli 2026 votierten lediglich 276 für die Zurückweisung, 286 dagegen, 30 Parlamentarier enthielten sich.
Über das erschreckendste wird leider kaum gesprochen in den Medien: Es war der letzte Sitzungstag vor der Sommerpause und 128 der 720 Abgeordneten waren nicht mehr da.
Wie kann das erlaubt sein? Wenn ich auf der Arbeit ein paar Tage vor meinem Urlaub schon nicht mehr zur Arbeit erscheine, ist das Grund für eine außerordentliche Kündigung!
Aber Abgeordnete können scheinbar kommen und gehen, wie sie wollen. Wenn die Abgeordneten nämlich noch alle da gewesen wären, hätte das sehr wohl blockiert werden können.
+9
Macmissionar11.07.26 06:26
Man braucht sich nur das Video von Sonneborn anschauen, um zu wissen, welche Junta da regiert. Mit der Salamitaktik weiter weg von der ursprünglichen Idee des Staatenverbundes.
A Mac is like a Wigwam: No Windows, no Gates, no Backdoors, Peace, Harmony – and an Apache inside.
+5
Sputnik123
Sputnik12311.07.26 15:21
aMacUser
MTN
Die nötigen 360 Nein-Stimmen gab es jedoch bei Weitem nicht: In der entscheidenden Abstimmung am 9. Juli 2026 votierten lediglich 276 für die Zurückweisung, 286 dagegen, 30 Parlamentarier enthielten sich.
Über das erschreckendste wird leider kaum gesprochen in den Medien: Es war der letzte Sitzungstag vor der Sommerpause und 128 der 720 Abgeordneten waren nicht mehr da.
Wie kann das erlaubt sein? Wenn ich auf der Arbeit ein paar Tage vor meinem Urlaub schon nicht mehr zur Arbeit erscheine, ist das Grund für eine außerordentliche Kündigung!
Aber Abgeordnete können scheinbar kommen und gehen, wie sie wollen. Wenn die Abgeordneten nämlich noch alle da gewesen wären, hätte das sehr wohl blockiert werden können.

jedes mal das gleiche - es ist normal und gewollt das nicht alle da sind und nein man kann es nicht mit einer "normalen" Arbeit vergleichen.
cum hoc ergo propter hoc
-5
MacuserEm(a)il
MacuserEm(a)il12.07.26 18:54
Das Ganze ist ein riesen Skandal und wird in den "gängen Medien" mal wieder nicht so dargestellt wie es ist, ich bin froh darüber, dass MTN darüber berichtet, damit das möglichst viele Leute erfahren.

Wie kann es sein, dass einer der besten EU-Abgeordneten einer Satire-Partei entstammt?!
+3
MOTIVHIMMEL
MOTIVHIMMEL13.07.26 18:54
Es ist durchaus gruselig, wie immer mehr die volle Überwachung aufgeweicht wird und es ist ja inzwischen auch wirklich gang und gebe, das solch Entscheidungen einfach kurz vor der Sommerpause durchgeboxt werden oder zu großen Ereignissen, wo die Aufmerksamkeit vieler Menschen einfach woanders liegt wie z.B. der WM etc.
Im Hintertürchen wird dann einfach mit minimaler Besetzung entschieden und das gilt dann einfach. Sehr praktisch und das nennt sich dann sowas wie äh, ach wie heißt dieses Wort doch gleich??? Achja, Demokratie.

Ich werde auch dazu übergehen das komplexe Teamentscheidungen einfach nur noch dann gemacht werden, wenn der Großteil fehlt. Gab ja die Chance dabei zu sein, sie wurde halt nicht genutzt. Blöd gelaufen.
+1
Zacks
Zacks14.07.26 16:57
Unsere Demokratie™
Ware wa messiah nari!
0

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