180.000 Unterschriften für Verbot von Metas Smart Glasses


Smarte Brillen erhitzen derzeit die Gemüter. Im Mittelpunkt der Kritik steht die Möglichkeit, beinahe unbemerkt Bilder und Videos aufzunehmen. Ein Statuslicht reiche anderen Personen oft nicht, um eine aktiv laufende Aufnahme zu erkennen. Gerade in Verbindung mit Künstlicher Intelligenz können mit Kamerabrillen aufgenommene Inhalte systematisch ausgewertet werden, etwa mit einer Gesichtserkennung. Das Paradebeispiel für diese Art von Geräten sind derzeit "Meta Glasses", die das Unternehmen auch unter den Markennamen Oakley und Ray-Ban verkauft. Insbesondere in Mark Zuckerbergs Imperium ist man nicht zimperlich, mit diesen Funktionen zu
experimentieren. Der jüngste Widerstand gegen diese allgemein als "Smart Glasses" bezeichneten Geräte äußert sich in einer
Petition des Zentrums für Digitalrechte und Demokratie, die auf Campact läuft. Das Thema scheint viele zu bewegen, kamen innerhalb von knapp drei Wochen doch über 180.000 Unterschriften zustande.
Drei zentrale ForderungenDiese Petition enthält drei große Forderungen. Forderung eins möchte Kamerabrillen vom Markt verbannen, die heimliches Filmen ermöglichen. Laut den Initiatoren böte Paragraf 8 des Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetzes (TDDDG) eine ausreichende Möglichkeit, aufnahmefähige Geräte zu verbieten, wenn sie aussehen wie Alltagsgegenstände. Punkt zwei adressiert die Nutzer der betroffenen Aufnahmegeräte. Es werden klare rechtliche Grenzen gefordert, um Menschen vor heimlichen Aufnahmen zu schützen und das nicht erkennbare Filmen unter Strafe zu stellen. Der dritte und letzte Punkt betrifft wiederum die Hersteller, die bei der Einführung smarter Brillen nachweisen müssten, dass die Geräte sicher sind und alle Anforderungen an den Datenschutz erfüllen. Dazu gehört auch ein Verzicht auf automatische Datenverwertungen wie zum Beispiel Gesichtserkennung oder die automatisierte Veröffentlichung von Aufnahmeinhalten.
Viele Graubereiche und die Frage nach Apples StrategieEinige der geforderten Punkte scheinen bei Apple gut bekannt zu sein – und verursachen den Gerüchten zufolge dort ebenso
Kopfzerbrechen. Eine Idee sei, zwar eine Kamera zu verbauen, aber keine Funktion zur Speicherung von Inhalten. Damit könnten Videos nicht erstellt werden. Komplizierter wird es bei der Einbindung leistungsstarker KI-Funktionen. Im Falle einer vollständigen Umsetzung der Forderungen müssten die AI-Features wohl rein lokal laufen, also ausschließlich auf dem Gerät. Dennoch wäre Apple mit dieser Strategie deutlich besser positioniert als die Konkurrenz von Meta.
Umsetzung ungewissOb es zur Umsetzung der Verbotswünsche kommt, bleibt trotz der vielen Unterschriften offen: Erst Mitte August hatte die Bundesnetzagentur
mitgeteilt, dass auf Basis des Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetzes zwar ein Verbot von Brillen mit Aufnahmefunktion "denkbar" wäre. Der momentanen Auslegung entspreche diese Lesart jedoch nicht, man belasse es vorerst bei der Beobachtung des Marktes.