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"Fehlerreich und beschämend": harsche Kritik an Alexa+

Für lange Zeit war die Sprachsteuerung von Amazon deutlich beliebter als Apples Siri. Alexa spielte Musik, Hörspiele und Podcasts zuverlässig ab, erzählte bessere Witze als die Konkurrenz und bestellte obendrein Produkte beim angeschlossenen Versandkaufhaus. Mit Alexa+ hat der Konzern nun den Funktionsumfang erweitert. Fortan kann der Dienst auch Essensbringdienste und Fahrdienstleister wie Uber beauftragen. Amazon spricht von „Agency“, also Handlungsfähigkeit der Sprachassistenz. David Pogue hat Alexa+ im Early-Access-Programm getestet – und ist enttäuscht.


Insgesamt 135 Testaufträge hat der IT-Journalist zusammengetragen; viele basieren auf Amazons eigenen Vorschlägen. Er unterteilte die möglichen Aufträge in vier Gruppen: typische KI-Chats, Interaktion mit Amazon-Unternehmen, Heimautomatisierung sowie Bestellungen über externe Dienstleister. Die Kategorie „KI-Chats“ kam noch am besten weg: Alexa+ „kann ein schmeichelhafter Gesprächspartner für Stunden sein.“ Auch Kalenderinteraktionen und Uber-Buchungen gelangen per Spracheingabe zuverlässig.

Zirkelschlüsse und Fehler
Bei einer Essensbestellung geriet Pogue in einen Teufelskreis: Alexa+ fragte immer wieder nach, bei welchem Lieferdienst eine Bestellung aufgegeben werden sollte – obwohl er jedes Mal korrekt antwortete. Bei dem Versuch, einen Klempner zu bestellen, missdeutete Alexa+ die Auswahl einer vordefinierten Antwort: Wie schnell er Sanitärdienstleistung braucht, war die Frage des Diensts. Eine der vorgegebenen Antworten: „ASAP“. Als er „ASAP“ antwortete, quittierte Alexa+ dies mit „I'm Alexa, not Shaq!“. Bei Amazon-Bestellungen gab der KI-Agent teilweise falsche Preisinformationen, und die Frage nach Geschenkideen für einen 21-jährigen Sohn (spielt Fußball und Videospiele) wurde mit Produkten für 21-jährige Frauen quittiert.

Musik- und Kameraeinbindung mangelhaft
Bei der Musikwiedergabe offenbarte sich Alexa+ als volle Katastrophe. Das kann am Dienst liegen – anscheinend sind noch nicht alle Funktionen für Spotify sauber integriert. Pogue musste sich zudem einmal bei Spotify ab- und wieder anmelden, damit das Nutzerkonto korrekt eingebunden wurde. Bei der Fehlersuche war Alexa+ leider nicht hilfreich. Selbst die Heimautomatisierungslösungen der zu Amazon gehörenden Überwachungskameras zeigten sich fehlerhaft: Alexa+ „vergaß“, dass David Pogue über ein Bezahl-Abonnement der Ring-Kameras verfügte, und zeigte kein Live-Bild.

Keine Instant-Songs oder -Podcasts
Amazon schlägt unter anderem vor, dass Nutzer Alexa+ damit beauftragen sollten, Podcast-Episoden zu egal welchem Thema zu produzieren oder ein personalisiertes Lied zum Geburtstag eines Familienmitglieds zu generieren. Beides funktionierte nicht. Fragte er Alexa+ nach bestimmten Schauspielern in einem Film, listete der Dienst Filme auf, in denen der besagte Darsteller nicht mitgewirkt hatte.

Knapp eine Stunde Video
David Pogue schrieb nicht nur einen Blog-Beitrag über seine nervenaufreibende Interaktion mit Alexa+ sondern zeichnete dies auch als Video auf. Auf YouTube kann man sämtliche Interaktionen nachempfinden und sich ein eigenes Urteil über die Qualität des KI-Agenten bilden. Derzeit befindet sich Alexa+ in einer geschlossenen Beta (Early Access). Am 15. September soll die Probephase enden. Alexa+ ist ohne zusätzliche Gebühren im Amazon Prime Abo enthalten – wer jedoch das Einzelabo abschließen will, wird mit 22,99 Euro pro Monat zur Kasse gebeten.

Kommentare

cj_apple
cj_apple06.08.26 16:44
Auch Alexa wird immer schlechter. Befehle, die noch gestern funktionierten, gehen heute plötzlich nicht mehr. Zufall oder Absicht, um Alexa plus zu pushen?
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