
Qobuz vs. KI: Streamingdienst sagt KI-generierter Musik den Kampf an


Der Musikstreamingdienst Qobuz kennzeichnet ab sofort mit einem deutlichen Hinweis Titel, die mit KI erzeugt wurden und sanktioniert artifiziell generierte Inhalte auch auf anderen Wegen. Der richtige Weg, wie REWIND findet. Auch wenn KI deswegen nicht verteufelt werden muss.
Heute Morgen las ich in der Tageszeitung, dass der Bundestag ab sofort auch eine KI hat – die theoretisch auch Reden schreiben kann. Dafür ist sie zwar nicht gedacht, sondern in erster Linie für Transkription von gesprochenem Wort oder auch zum Herausfiltern von Massenanfragen, die ihrerseits mit KI erstellt wurden und die Arbeit blockieren. Zumindest als Lippenbekenntnis haben sich mehrere Politiker zu Wort gemeldet, die vor allem per KI verfasste Reden ablehnen und auf eigene Gedanken und Sprache bestehen.
In vielen anderen Bereichen stehen wir vor ähnlichen Situationen. Etwa in der Musik. Immer mehr "Künstler" lassen Musik mehr oder weniger komplett und selbstständig von KI generieren. Das Ergebnis ist nicht ohne weiteres von den Hörern als solches zu erkennen – auch wenn KI-Musik tatsächlich überwiegend belanglose Ergebnisse komponiert, die kaum eine Change darauf hätten zu Klassikern zu werden. Massentaugliche Beats und Geschwurbel, das vielleicht gewisse Hörergruppen anspricht, aber kaum der Kunstform Musik gerecht wird.
Es gibt gewisse Ausnahmen. Und KI muss natürlich auch nicht komplett aus der Musik verbannt werden, weil sie auch dort eine nützliche Hilfe sein kann. Trotzdem hat sich jetzt die französische Plattform für High-Quality Musikstreaming und -downloads Qobuz zu einem klaren Bekenntnis entschieden. Ab sofort gibt es laut Pressemeldung in der App eine Kennzeichnung für KI-generierte Inhalte.
Der sogenannte „AI-Tag“, weist Nutzer darauf hin, wenn ein Musiktitel KI-generiert ist. Doch das ist noch nicht alles. Die Franzosen gehen einen Schritt weiter und verbannen KI-generierte Inhalte, bzw. schließen sie von der Vergütung aus.
Zahlen von Qobuz zu KI-generierter Musik:- 60 % der Wiedergaben von Titeln, die als KI-generiert identifiziert wurden, werden vom Qobuz-System zur Bekämpfung von Betrug als "betrügerisch" eingestuft und schließen daher die Rechteinhabenden von der Vergütung aus.
- Mehr als ein Drittel der als KI-generiert identifizierten Alben ohne Wiedergabe wurde aus der Suche entfernt. Das entspricht rund vier Millionen Alben.
- 0,38 % der Wiedergaben auf Qobuz entfallen derzeit auf Titel, die als KI-generiert identifiziert wurden.
KI-generierte Inhalte haben daher nach Aussage von Qobuz kaum eine Chance, die Hörer überhaupt zu erreichen. Tatsächlich habe ich bei einer ersten kurzen Durchsicht keine Titel mit dem "AI-Tag" gefunden.
Kommentar/MeinungUm es deutlich vorweg zu sagen: Qobuz ist weder die erste noch die einzige Plattform, die KI-generierte Musik kennzeichnet und (ganz oder teilweise) von Vergütungen ausschließt. Ich ziehe den Dienst nur deswegen als Beispiel heran, weil mich eine diesbezügliche Pressemeldung getriggert hat, hierzu Stellung zu beziehen.
Ich wünschte mir nur, Qobuz und die Anderen würden noch ein bisschen konsequenter vorgehen. So wäre es nett, wenn sich im Genre-Filter Musik mit KI-generierten Inhalten und „AI-Tag" von vornherein ausschließen ließe. Das könnte auch die Musikschaffenden darüber nachdenken lassen, wie sehr sie sich die Arbeit durch maschinelle Intelligenz abnehmen lassen wollen. Ohne Sichtbarkeit keine Streams und damit auch kein Geld. Die Nutzer hätten so die Möglichkeit, auch die Inhalte herauszufiltern, die der Dienst selbst durchwinkt und lediglich markiert. So könnte auch teilweise mit KI erzeugte Musik verbannt werden. Etwa solche, bei denen der Beat von der KI ausgewählt wurde, der Rest aber menschlichen Ursprungs ist. Das könnte Musiker ärgern, die sich das Leben nur ein bisschen einfacher machen wollen, aber schließlich können Nutzer ja auch ganze Genres bei Nichtgefallen ausblenden. Das wäre also keine Diskriminierung, sondern ein Statement.
Es mag eine steile Behauptung sein, der viele widersprechen mögen, doch wenn ich mir die Musik aus den ca. 60er bis frühen 2000er Jahren anhöre und mit dem vergleiche, was heute jeden Freitag bei Qobuz an neuen Alben hereintrudelt, zweifle ich ohnehin stark an der Kreativkraft der heutigen Musikergeneration. Sicher, auch früher wurde längst nicht jeder neue Titel zu einem zeitlosen Klassiker, und auch damals musste man schon viel Zeit in den Plattenläden verbringen und Rezensionen lesen, um echte Perlen aus dem Angebot zu fischen. Inzwischen ist es jedoch aufgrund der schieren Masse an Neuheiten selbst mit dem Segen des Musikstreamings selten geworden, Musik von wahrer Größe zu entdecken – SEHR selten. Eher entdecke ich noch ältere Alben oder Stücke, die mir richtig gut gefallen, die ich früher lediglich übersehen habe.
In Sachen KI-generiere Musik begrüße ich es jedenfalls sehr, dass Streamingdienste gegen dieses hausgemachte Kunststerben aktiv vorgehen. Musik sollte menschlich bleiben.