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Zurück in die Zukunft … Das Ende von Software
Zurück in die Zukunft … Das Ende von Software
MacStudio
13.10.26
10:33
Hallo,
das Faszinierende an Geisterfahrern ist, dass sie denken, alle anderen fahren falsch. Ich bin so einer.
Als ich Anfang der 90er meine berufliche Karriere als Kreativer in den großen Werbeagenturen in Hamburg und Düsseldorf startete, sah der Job folgendermaßen aus:
Als Art Director saß ich an einem leeren Tisch mit Bleistift und Papier und musste mir etwas ausdenken. TV-/Kinospots, Plakate und Anzeigen. Die Anzeige wurde mit wenigen Worten beschrieben und dazu eine Bleistiftzeichnung gemacht. Die Umsetzung machte das „Atelier“. Das waren Schriftsetzer, heute Mediengestalter genannt. Briefe wurden diktiert. Ich hatte deshalb ein kleines Diktiergerät. Geschrieben wurden die Texte von Schreibkräften. Später bekam ich auch einen kleinen Macintosh SE mit RagTime. Im Prinzip war das dann der „Nachfolger der elektrischen Schreibmaschine“. So blieb das bis Mitte der 90er.
Dann kam Adobe bzw. die Vorläufer davon. Das Atelier wurde geschlossen und ich musste die Layouts selber machen. Später kamen dann sogar der Filmschnitt und die Druckvorstufe dazu. Kurz: Was früher ein riesiges Team war, wurde zur „One-Man-Show“. Wurde ich anfangs zu 100 % für meinen „Gehirnschmalz“, sprich meine Ideen, bezahlt, betrug der Ideenanteil an meiner Arbeit nun nur noch wenige Prozent. Der Rest war die Bedienung der Maus, des Cursors und Menüs.
Nun ist die KI da!
Ich diktiere nun wieder meine Briefe (ohne Word, Office usw.). Ich mache kleine Skizzen und die KI setzt das um. Aus Briefings und Moodboards werden Filme und Fotostrecken. Wie früher. Wieder habe ich 100 % für meine Ideen und meinen Gehirnschmalz. Das ist doch toll. Geil. Nice. Cool.
Kann es nicht sein, dass die letzten 25 Jahre die Idee, einen Arbeitsprozess, der vieler einzelner Berufe und Qualifikationen bedarf, in einer App, nennen wir sie Adobe Creative Suite, in einer One-Man-Show zu integrieren, eine Sackgasse war? Ich meine damit das DENKEN und HANDELN in einer Person zu vereinen.
Es ist doch viel effektiver, wie bis zu den 90ern seine Briefe zu diktieren, anstatt sich in die Bedienung von „Office und Word“ einzuarbeiten. Als kreativer Werber skizziere ich wieder und gebe meine Ideen ins Atelier, nun die KI, anstatt mich durch Menüs von Apps zu arbeiten. Einen Kostenvoranschlag diktiere ich und mein Agent erstellt eine perfekte Kostenaufstellung mit allem drum und dran als PDF. So wie früher die „Sekretärin“ bzw. das Projektmanagement.
Alles wie früher. Ende des App-Irrweges.
Sind wir Boomer die Geisterfahrer? Liegen wir Boomer falsch, wenn die KI die Welt der Pre-90er-/00er-Jahre zurückholt? Wenn wieder Briefe diktiert und Ideen skizziert werden? Wenn wieder ausschließlich Ideen und der Gedanke zählt?
Zurück in die Zukunft
Hilfreich?
+32
Kommentare
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2
Weia
14.10.26
22:05
TMS
Weia
Philosophische Gedanken haben eine etwas höhere Halbwertszeit als Chip-Generationen.
Das klingt nach Mantra. Eine schlichte Behauptung. Ein Glauben. Ohne Begründung.
Klar ist das eine schlichte Behauptung ohne Begründung, denn das würde den MacTechNews-Rahmen komplett sprengen. Diejenigen, die mit diesem Gedanken etwas anfangen können, machen das, die anderen halt nicht. Mehr geht hier nicht, was Philosophiegeschichte betrifft.
Ein Mantra oder bloßer Glauben ist es hingegen nicht. Ich könnte und habe an anderer Stelle ausführlich begründet, warum Philosophie nicht so leicht „veraltet“. Wer hier und heute Philosophie studiert, kommt nach wie vor um Kant, Hegel und Marx nicht herum.
Und zur Erinnerung: Mit den bloßen Behauptungen hast Du begonnen:
TMS
Die Geschichte von Herr&Knecht war schon zu Hegels Lebzeiten nicht nur veraltet, sondern schlicht nicht mit der Wirklichkeit zusammenpassend.
Ich habe darauf nur reagiert.
„“The morality of god caters to the ones in control, how strange, how odd” – Sofia Isella, “Numbers 31:17-18” aus “Something is a shell .”“
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+1
Weia
14.10.26
22:40
MacStudio
So ist es auch bei der Programmierung. Wenn alles in eine KI-App bzw. in der KI-Cloud zusammenrückt, ob Browser, Fotoprogramm oder Office Anwendungen, dann benötigt man keine einzelnen Apps mehr. Ja, es muss trotzdem programmiert werden, aber eben nicht hier, sondern in den USA (oder China).
Noch einmal anders gesagt: Es ist egal, ob Code oder Typografie vom Menschen besser ist. Das Endprodukt gibt es schlicht nicht mehr. Es wird in der KI selbst in Echtzeit simuliert. Bei den Adobe Plug-ins in Claude und ChatGPT funktioniert das schon ganz gut.
In wenigen Jahren haben die Leute keinen klassischen Computer mehr auf dem Tisch, sondern nur noch ein Streaminggerät für KI Anwendungen. Die Software läuft vollständig in der KI Cloud. Und die befindet sich nicht hier in der EU.
Jetzt komm mal wieder runter von Deinem KI-Rausch. Zentralwirtschaft ist schonmal krachend gescheitert; damals nannte sich das
Sozialismus
. Die Terminator-Dystopie, die Du aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen herbeieuphorisierst, wird sich gesellschaftlich nicht durchsetzen – niemand will von Maschinen kontrolliert werden, die er nicht mehr durchblickt.
MacStudio
Ich gebe @Weia recht, nur sehe ich, dass sich die Geschichte zurückdreht und wir wieder in einen neuen Feudalismus geraten.
MacStudio
Egal, wo man politisch steht: Tatsache ist, dass wir uns leider wieder zurück in feudale Strukturen entwickeln, in denen wenigen alles gehört und dem Rest das Notwendige „vermietet“ bzw. „verpachtet“ wird. Auf Neudeutsch: Abo.
Das hängt aber daran, dass in unserem jetzigen Wirtschaftsmodell die Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums anhand der Teilhabe an gesellschaftlicher Produktivität geregelt wird. Das funktioniert in einer KI-Welt nicht mehr, aber das kann (und muss man dann) ja ändern.
„“The morality of god caters to the ones in control, how strange, how odd” – Sofia Isella, “Numbers 31:17-18” aus “Something is a shell .”“
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+4
Fontelster
14.10.26
23:23
MacStudio
Ja, das ist auch die Sicht meiner sehr linken Berliner Professoren, die die heutige Zeit bejubeln, da durch die neuen Werkzeuge eine „Demokratisierung“ stattfindet und nicht mehr nur „privilegierte Wohlhabende“ in den Genuss kommen, Dinge zu erschaffen.
Genau das selbe Argument gab es schon vor 30 Jahren über das Internet: Demokratiesierung (von Wissen). Endlich könne sich jeder beteiligen, teilhaben usw.
Statt die Welt zu demokratisieren, macht das Internet im Moment genau das Gegenteil. Beherrscht von einigen wenigen Tech-Oligarchen, die mittels »sozialer« Plattformen, dem Journalismus den Todesstoß, Fakten durch Emotionen ersetzen und Figuren wie Trump, Weidel, Höcke und ähnliche Rattenfänger ermöglichst haben.
Ohne X, TikTok & Co. würde die Welt vermutlich nicht so beschissen dastehen, wie sie es im Moment tut.
MacStudio
In wenigen Jahren haben die Leute keinen klassischen Computer mehr auf dem Tisch, sondern nur noch ein Streaminggerät für KI Anwendungen. Die Software läuft vollständig in der KI Cloud. Und die befindet sich nicht hier in der EU.
Auch das hatten wir schon. War das Anfang der 2000er, als der »Netz-PC« die Zukunft sein sollte und niemand mehr einen vollwertigen Computer zuhause haben würde? Booten über das Internet, Software vom Server, nichts davon ist eingetreten und das aus gutem Grund.
Hilfreich?
+5
konnektor
15.10.26
08:12
MacStudio
Egal, wo man politisch steht: Tatsache ist, dass wir uns leider wieder zurück in feudale Strukturen entwickeln, in denen wenigen alles gehört und dem Rest das Notwendige „vermietet“ bzw. „verpachtet“ wird. Auf Neudeutsch: Abo.
Da ist es wieder, das böse Wort für eine regelmäßige Bezahlung für geleistete Arbeit. Ich frag mal meine Angestellten, ob sie nicht mit einem Einmalkauf einverstanden sind, ich kann ja ein Upgrade bezahlen, wenn ich mehr von ihnen will. Das ist doch sicher viel demokratischer und so gar nicht feudal.
Hilfreich?
-5
tjost
15.10.26
09:47
konnektor
MacStudio
Egal, wo man politisch steht: Tatsache ist, dass wir uns leider wieder zurück in feudale Strukturen entwickeln, in denen wenigen alles gehört und dem Rest das Notwendige „vermietet“ bzw. „verpachtet“ wird. Auf Neudeutsch: Abo.
Da ist es wieder, das böse Wort für eine regelmäßige Bezahlung für geleistete Arbeit. Ich frag mal meine Angestellten, ob sie nicht mit einem Einmalkauf einverstanden sind, ich kann ja ein Upgrade bezahlen, wenn ich mehr von ihnen will. Das ist doch sicher viel demokratischer und so gar nicht feudal.
Wenn Dein Apfelsaft nach Birnen schmeckt dann ist in Deiner Welt wohl alles in Ordnung.
ich wollte erst einen langen Text mit Begründung schreiben doch ich denke Du merkst es hoffentlich selbst. Hier noch ein Hinweis: Sklaverei
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+1
marcocampo
15.10.26
10:29
weia
Das hängt aber daran, dass in unserem jetzigen Wirtschaftsmodell die Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums anhand der Teilhabe an gesellschaftlicher Produktivität geregelt wird.
Ah ja, ich vergas: GELD.
Wenn Speedtrading, KI und ∞ Rechenpower nebst Zinseszins dafür sorgen, dass sich Wohlstand zu Raubtier-Feudalismus und maximaler gesellschaftlicher Spaltung entwickelt, dann wird die Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums innerhalb kürzester Zeit nichts mehr mit gesellschaftlicher Produktivität zu tun haben. Wir brauchen dann einen Wohlfahrtsstaat, der uns die Illusion des Konsums und die Realität des Überlebens sichert. Geld bewegt sich dann innerhalb eines kontrollierten Kreislaufs, virtuell ist es in weiten Teilen ja schon.
Diese Vorstellung von Wachstum unter solchen Bedingungen ist absehbar so begrenzt wie die Oberfläche des Planeten.
Was wir aus meiner Sicht heraus brauchen, ist eine neue Aufklärung. Und dabei könnte die KI eine wertvolle Hilfe sein. Weil sie nämlich - anders als wir selbst - nicht emotional kompromittiert ist wie wir alle, wenn wir ehrlich sind. Die Grundlagen dazu sind erforscht und bekannt, politisch aber eher hinderlich, weshalb diese Aufklärung so unbequem erscheint. Wenn man sie aber wirklich langfristig denkt, dann erkennt man schnell, dass wir weder Geldwirtschaft noch Verbrenner brauchen. Das Fanal der überkommenen Lebensmodelle ist Trump, die KI das Symbol der Zeitenwende.
Jetzt spüren wir Boomer natürlich, wie uns der Tod allmählich in die Klamotten kriecht, und wieviel Angst mit der Vergänglichkeit einhergeht. Das ist schon hochemotional. Aber mal ehrlich (und hier finde ich zurück zum Mac): Sterben ist die beste Sache überhaupt, denn so entsteht Platz für das Bessere (frei nach Jobs Stanford Rede).
Mir persönlich soll die KI nichts zurückbringen, was ich schon in der 80ern entsorgt hatte (wie z.b.DOS), sie soll mir helfen, mit meinem Nachkommen (die auch schon über 30 sind) eine bessere Zukunft zu gestalten (wenn ich noch das Zeug dazu habe).
Ich möchte hier kein philosohisches Thema hochziehen, dazu bin ich zu ungebildet und ich hasse es offen gestanden, von irgendeinem Opportunisten in einen dunklen akademischen Wald gezerrt zu werden, wo er mir bei Kerzenschein meine Unzulänglichkeiten und sein Wissen um den rechten Weg erläutert.
Wenn man die Dinge neu betrachten möchte, sollte man unbedingt die Tatsache des »Digitalen Selbst« in Betracht ziehen, welches – physisch codiert, und datentechnisch binär getrackt bzw. gespeichert wie wir sind – zweifellos existiert. Die Wertschöpfung daraus wird uns jedoch vollständig verwehrt. Die Verwertung dessen wird/wurde uns geraubt, dabei ist genau das das Einzige, was wirklich unsere Einzigartigkeit, unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten, sowie die Basis für Weiterentwicklung beschreibt. Bevor wir darüber nachdenken, ob eine KI eine solche Wahrnehmnung entwickeln könnte, sollten wir sie selbst erreichen. Sie wäre eine formidable Basis für eine Erweiterung der Grundrechte, eine Neuschreibung der Menschenrechte und eine damit einhergehende Konsolidierung in der Rechtssprechung - in der zum Beispiel ein »Grundrecht auf eine soziales Netzwerk «verankert wäre (welches mein Staat zur Verfügung stellt, nicht ein privartwirtschaftlcihes Unternehmen).
Wenn also mein digitales Selbst mit seinem neuen Freund Kai koexistieren will, brauchen wir dafür eine neue rechtliche Basis innerhalb der demokratischen Grundordnung, in der wir leben. Exzessive Liberalisierung ist kein Lebenskonzept, und Reichtum hat letztlich nichts mit Geld zu tun. Wenn wir das geschafft haben, können wir wieder anfangen, zu philosohieren.
Hilfreich?
-1
LoCal
15.10.26
10:35
konnektor
MacStudio
Egal, wo man politisch steht: Tatsache ist, dass wir uns leider wieder zurück in feudale Strukturen entwickeln, in denen wenigen alles gehört und dem Rest das Notwendige „vermietet“ bzw. „verpachtet“ wird. Auf Neudeutsch: Abo.
Da ist es wieder, das böse Wort für eine regelmäßige Bezahlung für geleistete Arbeit. Ich frag mal meine Angestellten, ob sie nicht mit einem Einmalkauf einverstanden sind, ich kann ja ein Upgrade bezahlen, wenn ich mehr von ihnen will. Das ist doch sicher viel demokratischer und so gar nicht feudal.
Im Software-Bereich ist Abo durchaus ein schwieriges Thema.
Es kommt da schon sehr darauf an, durch was das Abo gerechtfertigt ist.
Gibt es für eine Software permanent neue Updates und vorallem auch neue Features, dann kann ein Abo-Modell durch ausgerechtfertigt und vorallem auch günstig sein.
Gibt es aber nur einmal im Jahr ein großes Feature-Update und man zahlt als Abo-Preis den vollpreis und die Anwendung ist mit Kündigung des Abos unbrauchbar, dann stehe ich dem Abo-Modell durchaus kritisch gegenüber.
Aber ein Abo-Modell für regelmäßige Updates und nach Ablauf bleibt die App auf dem Stand weiter nutzbar, warum nicht?
„Ich hab zwar keine Lösung, doch ich bewundere dein Problem“
Hilfreich?
+2
oxid
15.10.26
11:13
macstudio
Vielen Dank für deine thread. Finde deine Sicht sehr interessant!
Hilfreich?
-1
CHL
15.10.26
12:00
Ich sehe ein wirtschaftliches Problem. AI wird Jobs ersetzen. AI wird nicht krank und braucht keinen Urlaub. AI kann schnell und effizient sein. Unzählige Möglichkeiten und Vorteile tun sich auf wenn man es von der User-Seite her betrachtet.
ABER:
AI kostet Geld. Und wenn so ein System einen Job ersetzen kann und noch leistungsfähiger ist als der Mensch, wird es auch viel Geld kosten. Vermutlich genauso viel wie der Mensch vorher oder mehr. Für 99,- / Monat wird es keine AI mehr geben die produktiv und sinnvoll ist.
Jetzt geht das Geld an den Menschen, die Wirtschaft. Unser System lebt davon. Wir leben davon.
Dann geht das Geld an die Techkonzerne in "weit weg" - was ist dann mit Europa?
Hilfreich?
+3
konnektor
15.10.26
12:15
LoCal
konnektor
MacStudio
Egal, wo man politisch steht: Tatsache ist, dass wir uns leider wieder zurück in feudale Strukturen entwickeln, in denen wenigen alles gehört und dem Rest das Notwendige „vermietet“ bzw. „verpachtet“ wird. Auf Neudeutsch: Abo.
Da ist es wieder, das böse Wort für eine regelmäßige Bezahlung für geleistete Arbeit. Ich frag mal meine Angestellten, ob sie nicht mit einem Einmalkauf einverstanden sind, ich kann ja ein Upgrade bezahlen, wenn ich mehr von ihnen will. Das ist doch sicher viel demokratischer und so gar nicht feudal.
Im Software-Bereich ist Abo durchaus ein schwieriges Thema.
Es kommt da schon sehr darauf an, durch was das Abo gerechtfertigt ist.
Gibt es für eine Software permanent neue Updates und vorallem auch neue Features, dann kann ein Abo-Modell durch ausgerechtfertigt und vorallem auch günstig sein.
Gibt es aber nur einmal im Jahr ein großes Feature-Update und man zahlt als Abo-Preis den vollpreis und die Anwendung ist mit Kündigung des Abos unbrauchbar, dann stehe ich dem Abo-Modell durchaus kritisch gegenüber.
Aber ein Abo-Modell für regelmäßige Updates und nach Ablauf bleibt die App auf dem Stand weiter nutzbar, warum nicht?
Es gibt noch andere Gründe.
- Software muss ständig an Hardware, Betriebssysteme, Sicherheit und gesetzliche Regelungen angepasst werden
- Software kann lizenzpflichtige Bestandteile enthalten
Selbst wenn also keine neuen Features dazu kommen, braucht es Mitarbeiter für ein ständiges Rumpfentwicklerteam, die wie jeder andere fair bezahlt werden wollen.
Pay per use wird sich deswegen immer weiter durchsetzen.
Hilfreich?
0
Fontelster
15.10.26
12:19
CHL
AI kostet Geld. Und wenn so ein System einen Job ersetzen kann und noch leistungsfähiger ist als der Mensch, wird es auch viel Geld kosten. Vermutlich genauso viel wie der Mensch vorher oder mehr.
AI ist Software. Und wie Software lässt sie sich beliebig kopieren und vervielfältigen. Das Gesetz der Massenproduktion
gilt bei Software um ein vielfaches mehr als bei physischen Gütern.
Deswegen wird sie für Unternehmen natürlich günstiger sein als ein Mensch. Zumindest, wenn eine evtl. vorhandene KI-Blase irgendwann geplatzt ist und sich einige Hersteller etabliert und praktikable Geschäftsmodelle haben.
Hilfreich?
-3
desko75
15.10.26
12:23
@CHL
Das Problem muss gesellschaftlich gelöst werden.
Im Moment basiert menschliche Existenz auf Arbeit. Wir arbeiten und bekommen Geld für Miete, Essen, usw.
Und wir müssen davon weg kommen, dass wir unseren Lebensunterhalt mit Arbeit finanzieren.
Wie schaffen wir es also, in Zukunft Geld für den Lebensunterhalt der Menschen zu generieren, wenn Arbeit immer weniger wird?
Es gibt den Ansatz, Maschinenarbeit zu besteuern, was dann wieder den Menschen zugute kommen soll. Ein anderer Ansatz ist das bedingungslose Grundeinkommen. Aber wo kommt das Geld dafür her?
Wenn Maschinen den Menschen die Grundlage für ihre Existenz entziehen, dann sollten wir als Gesellschaft da dringend gegensteuern. Und derjenige, der den Arbeitsplatz eines Menschen durch eine Maschine ersetzt, sollte die gesellschaftliche Verantwortung dafür tragen, was mit dem Menschen passiert, der den Job an die Maschine verliert. Denn: Keine Arbeit, keine Existenz. Und die Existenz der Menschen sollte vor Profit stehen. Haha, der war gut, oder?
Hilfreich?
+3
LoCal
15.10.26
12:28
konnektor
Es gibt noch andere Gründe.
- Software muss ständig an Hardware, Betriebssysteme, Sicherheit und gesetzliche Regelungen angepasst werden
- Software kann lizenzpflichtige Bestandteile enthalten
Das ist aber etwas, das auch mit kostenpflichtigen Updates geregelt werden kann.
Lizenzen bestehen dann zum Zeitpunkt des Kaufs und darüber hinaus.
Zu den Lizenzen ein Beispiel aus dem Computerspiel-Sektor:
Driver: San Francisco[\url] hatte sehr viele lizensierte Fahrzeuge. Diese Lizenzen liefen irgendwann aus und Ubisoft zog das Spiel zurück, aber bisherige Käufer können das Spiel sowohl noch spielen als auch herunterladen, wenn es über eine Plattform gekauft wurde.
konnektor
Selbst wenn also keine neuen Features dazu kommen, braucht es Mitarbeiter für ein ständiges Rumpfentwicklerteam, die wie jeder andere fair bezahlt werden wollen.
Pay per use wird sich deswegen immer weiter durchsetzen.
Deshalb, kostenpflichtige Updates bzw. gerne auch Abos, aber die App sollte dann auch nach Ablauf des Abos mit dem Stand weiter nutzbar sein.
Ein Negativbeispiel ist hit
Tower
: Es kostet jedes Jahr den Preis, den auch die Vollversion ursprünglich kostete, kündigt man das Abo, kann man die App nicht mehr nutzen.
Anders sieht es aber aus, wenn durch den Betrieb einer App kosten entstehen, z.B. weil die App aktuelles Wetter braucht und diese Daten permanent bezahlt werden müssen, da ist ein Abo-Modell fast unausweichlich … bleibt halt die Frage, wie sehr es den Rest das Anwendung beeinflussen muss.
„Ich hab zwar keine Lösung, doch ich bewundere dein Problem“
Hilfreich?
0
CHL
15.10.26
13:43
Fontelster
CHL
AI kostet Geld. Und wenn so ein System einen Job ersetzen kann und noch leistungsfähiger ist als der Mensch, wird es auch viel Geld kosten. Vermutlich genauso viel wie der Mensch vorher oder mehr.
AI ist Software. Und wie Software lässt sie sich beliebig kopieren und vervielfältigen. Das Gesetz der Massenproduktion
gilt bei Software um ein vielfaches mehr als bei physischen Gütern.
Deswegen wird sie für Unternehmen natürlich günstiger sein als ein Mensch. Zumindest, wenn eine evtl. vorhandene KI-Blase irgendwann geplatzt ist und sich einige Hersteller etabliert und praktikable Geschäftsmodelle haben.
Software ist nur ein Teil von AI. Software muss auch entwickelt werden. Software braucht Hardware. Viel Hardware. Diese Hardware braucht Resourcen (Platz, Energie, Personal zur Betreuung). All diese Teile sind wieder nicht primär in Europa.
Wir haben "DIE Maschine" von ASML zur Produktion der nötigen Chips aus Europa. Wo in Europa steht eine Massenproduktion mit so einem Gerät?
Aktueller, trauriger Status: Wir arbeiten mit amerikanischer Software auf chinesischer Hardware und die EU hat die DSGVO/NIS2 - finde den Fehler. Ich glaub den Zug hat man nicht mehr erwischt - aufholen schwierig - aber nicht unmöglich.
Dazu noch ein Joke aus der IT: Chuck Norris hat NIS2 umgesetzt.
Hilfreich?
0
Fontelster
15.10.26
14:10
CHL
Software ist nur ein Teil von AI. Software muss auch entwickelt werden. Software braucht Hardware. Viel Hardware. Diese Hardware braucht Resourcen (Platz, Energie, Personal zur Betreuung).
Alles richtig, nur dass der Software-Teil der KI eben unbegrenzt kopierbar ist. Die Software wird
einmal
entwickelt und ist dann theoretisch für unbegrenzt viele Menschen nutzbar.
Und auch wenn mit mehr Nutzern die Hardware aufgestockt werden muss, dann – behaupte ich – in einem viel kleineren Verhältnis. Man braucht für »doppelt so viele Nutzer« nicht zwei Rechenzentren statt einem. Man braucht evtl. mehr Server, Strom usw., aber – behaupte ich wieder – laaaange nicht »doppelt so viel«.
Hilfreich?
0
Weia
15.10.26
18:27
konnektor
Es gibt noch andere Gründe.
- Software muss ständig an Hardware, Betriebssysteme, Sicherheit und gesetzliche Regelungen angepasst werden
- Software kann lizenzpflichtige Bestandteile enthalten
Selbst wenn also keine neuen Features dazu kommen, braucht es Mitarbeiter für ein ständiges Rumpfentwicklerteam, die wie jeder andere fair bezahlt werden wollen.
All diese Faktoren gelten nur für ganz bestimmte Software. Eine Textverarbeitung muss, wenn sie systemkonform programmiert ist, nicht an neue Hardware angepasst werden (das erledigen die Frameworks des Betriebssystems), bei ihr spielt Sicherheit keine Rolle und sie ist von gesetzlichen Regelungen nicht betroffen.
Ich habe für meine Arbeit selbst mehrere (wissenschaftliche) OPENSTEP/Cocoa-Programme geschrieben, die ersten davon 1996. Die laufen heute noch. Die größte Umstellungsarbeit war natürlich von OPENSTEP auf Mac OS X, aber auch das war dank entsprechender Tools von Apple nicht wirklich der Rede wert. Ab da gab es noch eine Rekompilierung von 32 auf 64 bit und wenn ich auf M-Prozessoren wechsle, werde ich natürlich nochmal rekompilieren müssen. Arbeitsaufwand in den letzten 30 Jahren für ein Programm, dessen Erstellung insgesamt grob 1 Jahr gedauert hat, vielleicht 1 Woche, sprich, 1-2 Arbeitstage pro Jahrzehnt. Das soll Abogebühren rechtfertigen?
Klar, die Programme brauchen keine Internetanbindung mit sich entsprechend fortentwickelnden Schnittstellen, sind als wissenschaftliche Programme nicht von gesetzlichen Regelungen betroffen und nichts an ihnen ist irgendwie sicherheitsrelevant. Und ich habe sie nur für mich geschrieben, aber da ich ein GUI-Freak bin, ist die Usability sehr gut; die Programme laufen auch bei mehreren Freunden, die sie haben wollten, völlig problemlos. Bei kommerziell vertriebenen Programmen ist das alles sicherlich etwas aufwändiger, aber so aufwändig, dass das Abogebühren rechtfertigen könnte, sehe ich bis auf spezielle Ausnahmen nicht.
Pay per use wird sich deswegen immer weiter durchsetzen.
Die Geschichte spricht dagegen. Bei der Telekommunikation etwa verlief die Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung, von Pay-per-use zu einer Flatrate (die bei einer technischen Dienstleistung das Pendant zum Kauf bei Software ist).
„“The morality of god caters to the ones in control, how strange, how odd” – Sofia Isella, “Numbers 31:17-18” aus “Something is a shell .”“
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+1
Weia
15.10.26
20:31
desko75
Im Moment basiert menschliche Existenz auf Arbeit.
Naja, auf
Arbeit
im Sinne von
Produktivität
oder abstrakter, aber auch genauer,
Reduktion von Entropie
, wird die Existenz von Menschen immer basieren. Die Frage ist, wieviel Zeit eine Gesellschaft dafür aufwenden muss, wenn sie hocheffiziente Maschinen hat, und mit welchem Mechanismus der Ertrag verteilt wird.
Ein anderer Ansatz ist das bedingungslose Grundeinkommen. Aber wo kommt das Geld dafür her?
Sobald Du von
Geld
im heutigen Sinne redest, ist eine mögliche Lösung vermutlich bereits verstellt, denn „Geld“ ist Teil des Problems. Bisher kannten wir grundsätzlich zwei Wirtschaftsformen: die Zentralverwaltungswirtschaft, in der eine zentrale gesellschaftliche Institution die Produktivität reguliert – das ist historisch grandios gescheitert, weil Menschen mit solch komplexen Planungen hoffnungslos überfordert sind, und die Marktwirtschaft, die sich dezentral über Regelungsparameter selbst reguliert. Aufgrund beschränkter technischer Möglichkeiten wurde dabei als Regelungsparameter stets ein Skalar verwendet (also ein eindimensionaler Parameter), den wir „Geld“ nennen. Und das führt zu diversen sattsam bekannten Problemen, weil ein Skalar nicht gleichzeitig unterschiedliche Aspekte abbilden kann, als da mindestens wären:
Arbeitsaufwand
strategisches Geschick/Macht
Recht
ökologische Kosten
Arbeitsaufwand ist das, was mit „Geld“ zuvorderst verbunden und von den Apologeten freier Marktwirtschaft auch stets als Kernargument angeführt wird:
Wer doppelt so viel arbeitet, soll auch doppelt so viel verdienen
, und das stimmt im Prinzip ja auch – in einer freien Gesellschaft sollte jeder entscheiden können, ob er mehr oder weniger Arbeitskraft aufwenden will, um mehr oder weniger Ziele zu erreichen.
Da „Geld“
zugleich
aber auch strategisches Geschick (oder gar Glück) – etwas vollkommen anderes als Arbeitsaufwand – abbildet, kommt es zu der Abbildungsverzerrung, dass einige Menschen vermeintlich mehr als 1000 mal soviel zu arbeiten scheinen wie andere, was natürlich nicht der Fall ist.
Umgekehrt scheitern daran im rechtlichen Bereich „Geld“-Strafen, die je nach Geldvermögen völlig unterschiedliche Wirkungen haben – das versucht man immerhin bei schwereren Rechtsbrüchen mit „Tagessätzen“ manuell zu korrigieren.
Die ökologischen Kosten von Produktivität schließlich werden von Geld ohne Hilfskonstruktionen wie die CO2-Steuer überhaupt nicht erfasst.
Langer Rede kurzer Sinn: statt dem Skalar „Geld“ bräuchten wir als Regelungsparameter für eine dezentrale Selbstregulierung, die nicht wieder und wieder aus dem Ruder läuft, vermutlich Vektoren in einem (mindestens) vierdimensionalen Vektorraum. Die technischen Möglichkeiten dafür hätten wir in der Informationsgesellschaft. Wie das aber konkret aussehen soll und wie wir weltweit dahingelangen könnten, weiß ich auch nicht. 😶 Wüsste ich es, würde ich mir schon mal eine Fahrkarte nach Stockholm kaufen. 🤪
„“The morality of god caters to the ones in control, how strange, how odd” – Sofia Isella, “Numbers 31:17-18” aus “Something is a shell .”“
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