Liquid Glass ein Jahr später: System 27 versöhnt viele Kritiker


Mit macOS 26 Tahoe führte Apple Liquid Glass auch auf dem Mac ein – und erntete damit ungewöhnlich viel Kritik. Dabei ging es längst nicht nur um die grundsätzliche Frage, ob einem transparente und glasartige Oberflächen gefallen. Viele Beschwerden betrafen sehr konkrete Probleme bei Lesbarkeit, Platznutzung und Bedienung. Mit macOS 27 Golden Gate hält Apple zwar an Liquid Glass fest, korrigiert aber überraschend viele jener Entscheidungen, die im vergangenen Jahr für Diskussionen sorgten. Dazu kommen erheblich robustere Frameworks für Entwickler, nachdem diese unter System 26 oft sehr unzuverlässig arbeiteten und reichlich mit der heißen Nadel gestrickt wirkten.
Zu wenig KontrastEiner der häufigsten Einwände gegen Liquid Glass betraf die Lesbarkeit. Inhalte schimmerten stark durch Titelleisten und Bedienelemente hindurch, Farben aus dem Hintergrund beeinflussten die Darstellung und verschiedene Ebenen ließen sich teilweise nur schlecht voneinander unterscheiden. Apple reagierte bereits während des Tahoe-Zyklus mit der Wahl zwischen einer klaren und einer eingefärbten Darstellung. Golden Gate geht aber erheblich darüber hinaus. In den Systemeinstellungen findet sich ein Regler, über den die Intensität des Glaseffekts stufenlos angepasst werden kann. Wer sich für eine weniger transparente Darstellung entscheidet, erhält eine Oberfläche, die sich wieder stärker an älteren macOS-Versionen orientiert.


Sehr durchsichtig vs. sehr deckend in macOS 27 (
Quelle)
Inhalte und Bedienelemente verschwimmen miteinanderTahoe verfolgte an vielen Stellen das Ziel, Fenster möglichst wie eine zusammenhängende Fläche erscheinen zu lassen. Titelleisten und Inhalte gingen ineinander über, Werkzeugleisten schwebten teilweise scheinbar über dem eigentlichen Fensterinhalt. Gerade auf dem Mac traf dies auf Kritik, weil die optische Trennung zwischen dem zu bearbeitenden Inhalt und den dazugehörigen Bedienelementen verloren ging. Apple vollzieht hier mit Golden Gate einen ziemlich deutlichen Kurswechsel. Titelleisten besitzen wieder eine klar erkennbare Abgrenzung zum Inhalt, in Programmen wie Finder und Fotos sind sie dauerhaft sichtbar. Werkzeugleisten erhalten wieder einen eigenen Hintergrund und eine eindeutige Trennlinie.


Beispiele für "verschmierte Ansichten" und Platzverschwendung statt Lesbarkeit Unterschiedliche und übermäßig runde FenstereckenZu den ebenfalls oft diskutierten Problemen von Tahoe gehörten die Fensterecken. Apple verwendete unterschiedliche Radien, abhängig von Fensterart und Aufbau. Teilweise passten sichtbare Fensterränder und der tatsächlich für die Größenänderung zuständige Bereich nicht sauber zusammen. Dieser Punkt kam sogar während der Vorstellung von Golden Gate zur Sprache – mit dem Versprechen, sich der Sache angenommen zu haben. In der Tat behebt das neue System jene optischen Unschönheiten.
Oakley zeigt: Es ist wieder einheitlicher
Symbole neben nahezu jedem MenüeintragEine besonders deutliche Kehrtwende vollzieht Apple bei den Menüs. Tahoe versah eine Vielzahl von Einträgen mit kleinen Symbolen. Was auf einem berührungsgesteuerten Gerät als zusätzliche Orientierung dienen kann, erschwerte nach Ansicht vieler Entwickler auf dem Mac das schnelle Erfassen langer Menüs. Außerdem unterschieden sich die verwendeten, oft inhaltsleeren Symbole teilweise zwischen Anwendungen. Offensichtlich konzentrierte sich Apple mit Golden Gate aber wieder auf das, was man vor Urzeiten in den Human Interface Guidelines selbst
definiert hatte.

Die umstrittene Umstellung: Sequoia vs. Tahoe... und Golden Gate Unscharfe und wenig unterscheidbare ProgrammsymboleAuch die mit Tahoe überarbeiteten Programmsymbole fanden nicht überall Anklang. Die zahlreichen transparenten Ebenen ließen einige Symbole vergleichsweise weich und detailarm wirken, zudem gingen kräftige Farben und klare Formen verloren. Apple passte die Darstellung für Golden Gate aber erneut an. Die Glaseffekte besitzen nun mehr Tiefe und wirken schärfer, teilweise wurden Farben und Details verändert. An einem grundsätzlichen Streitpunkt hält Apple jedoch fest, denn Programmsymbole müssen weiterhin in die einheitliche abgerundete Grundform passen.
Stimmung: Von "Liquid Glass ist einfach kaputt“ zu "damit kann man leben"Insgesamt hat sich die Diskussion damit merklich verschoben. Zahlreiche konkrete Kritikpunkte aus Tahoe hat Apple tatsächlich angefasst – entsprechend gibt es wesentlich positivere
Reaktionen. Andere sehen darin jedoch weniger einen Fortschritt als vielmehr die Rücknahme von Problemen, die Apple mit Tahoe überhaupt erst selbst geschaffen hatte. Oft kann man sich schlicht des Eindrucks nicht erwehren, als sei Liquid Glass eine hastig umgesetzte Notlösung gewesen, weil man 2025 schnell noch ein großes Feature brauchte. Mit System 27 zeigt Apple indes an vielen Stellen, wie erforderlich zusätzliche Entwicklungszeit gewesen wäre.