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Copland: Gescheitertes Apple-Betriebssystem direkt im Browser ausprobieren

Das Original-Betriebssystem des Macintoshs, welches 1984 erschien, war sehr limitiert: Nur ein Programm konnte gleichzeitig gestartet werden und es gab keinen Speicherschutz. Für die damalige Hardware waren diese Einschränkungen zu rechtfertigen – doch Ende der 80er und Anfang der 90er wuchs die verfügbare Rechenleistung, Arbeitsspeicher und Festplattenkapazität deutlich. Dies führte dazu, dass das damalige Apple-Betriebssystem die Hardware nicht ausnutzen konnte – und Apple erkannte, dass man ein neues System benötigte.


Ohne konkurrenzfähiges Betriebssystem
Zusammen mit IBM versuchte Apple, unter dem Namen Taligent im Jahr 1991 ein neues Betriebssystem zu entwickeln – doch die Bemühungen scheiterten aufgrund von internen Streitigkeiten und unterschiedlichen Zielvorgaben. Dies führte dazu, dass Apple im Jahr 1994 ohne konkurrenzfähiges Betriebssystem dastand. Microsoft präsentierte 1993 bereits Windows NT – und zeigte Apple schmerzlich auf, was in einigen Jahren der Stand der Technik sein wird. Auch NeXTSTEP führte zu viel Interesse bei Entwicklern. Ferner stand auch Windows 95 für Heimanwender in den Startlöchern und bot Technologie, welcher Apple wenig entgegenzusetzen hatte.

Copland war geboren
Im Mai 1994 kündigte Apple "Copland" an – oder Mac OS 8, wie es in der Presse häufig genannt wurde. Das neue System sollte fortschrittliche Features wie präemptives Multitasking und Speicherschutz bieten – und weitgehend mit Programmen für Mac OS 7/System 7 kompatibel sein. Dafür wandte Apple einen Trick an: Programme mit grafischer Benutzeroberfläche liefen in einem einzigen, eigenen Prozess, welcher die alten Programmschnittstellen von System 7 bot – und die Programme innerhalb dieses Prozesses wurden weiterhin mit kooperativem Multitasking verwaltet.

Dies hatte jedoch auch viele Nachteile: Der Speicherverbrauch war hoch, da im Grunde zwei Betriebssysteme liefen. Ferner konnte weiterhin ein fehlerhaftes Programm alle anderen Programme mit grafischer Benutzeroberfläche zum Absturz bringen. Zwar lief Copland an sich weiter, doch der Prozess, welcher Programme mit grafischer Benutzeroberfläche ausführte, wurde komplett neu gestartet. Innerhalb des "Cooperative Program Address Space", wie Apple diese Umgebung nannte, war kein Speicherschutz möglich, da die alten System-7-Programmierschnittstellen inkompatibel zu modernem Speicherschutz waren.

Scheitern nach zwei Jahren
Apple musste im August 1996 bekanntgeben, dass die Bemühungen bezüglich eines neuen Betriebssystems gescheitert sind. Durch Missmanagement und "Feature-Creep" war die Situation hoffnungslos – statt eines Betriebssystems verfügte Apple über eine Sammlung von unterschiedlichen Technologien, welche sich auf magische Weise innerhalb kürzester Zeit zu einem fertigen System zusammenfügen sollten.

Der weitere Verlauf der Geschichte ist bekannt: Apple kaufte schließlich NeXT, der Gründer Steve Jobs kam zurück und Apple passte in den kommenden Jahren NeXTSTEP an die eigenen Bedürfnisse an. Hieraus entstand Mac OS X – und schlussendlich iOS, iPadOS, tvOS, visionOS und watchOS.

Copland ausprobieren
Will man einen Blick auf das damalige Copland werfen, stehen diverse Hürden im Raum: Man benötigt einen kompatiblen Mac – nämlich einen frühen Power Macintosh mit NuBus-Steckplätzen mit 601- oder 604-PowerPC-Chip. Ferner ist ein zweiter Mac mit seriellen Anschlüssen vonnöten, um den Boot-Prozess beenden zu können.

Insgesamt sind vier verschiedene Builds von Copland bekannt:

BuildNameCodenameDatumAnmerkungen
D7E1CoplandSun N FunMitte 1995
D9CoplandSpace AliensOktober 1995
D11E4Mac OS 8SpazJuni 1996Letzte veröffentlichte Version
UnbekanntMacOS 8SuperbAugust 1996Nur bei Präsentation gezeigt

Die Versionen können über bekannte Retro-Seiten, wie zum Beispiel das MacintoshRepository, heruntergeladen werden.

Einfach im Browser
Wer jedoch den Aufwand einer Installation verständlicherweise scheut, kann dank Michael Steil "Copland" direkt im Browser ausprobieren. Zum Einsatz kommt hier der Build D11E4 in einer angepassten Version des PowerPC-Emulators "DingusPPC".


Das System hängt sich jedoch bei vielen Aktionen direkt auf – doch dies liegt nicht an der Emulation, sondern tatsächlich am Betriebssystem an sich, welches sehr instabil war. Glücklicherweise startet das System im Browser nach etwa 15 bis 30 Sekunden, so dass man vieles ausprobieren kann.

Unrealistische Zeitschätzungen
Wie deutlich an dieser Testversion zu erkennen ist, war Apples Prognose bezüglich eines geplanten Erscheinungstermins Ende 1996/Anfang 1997 komplett unrealistisch. Die Testversion erschien Mitte 1996 – und es gibt so gut wie keine Stelle im Betriebssystem, welche fertiggestellt ist.

Kommentare

gfhfkgfhfk24.09.26 10:53
Der große strategische Fehler Apples war es A/UX nicht auf PowerPC zu portieren, und es zu neues OS zu vertreiben.

Hintergrund
A/UX konnte normale System 7 Applikationen ausführen, die dann alle im selben Adressraum liefen – wie bei der BlueBox in MacOS X.
A/UX konnte Software ausführen, die eine angepasste Macintosh Toolbox nutzen, und direkt auf UNIX APIs zugreifen konnten. Jede Applikation lief in ihrem eigenen Adressraum. Das ist der Vorläufer von Carbon.
A/UX konnte reine UNIX Applikationen ausführen entweder nur über das Terminal oder wenn man den X11 Server startete mit diesem und GUI.

Apple hatte sich wegen der Kosten für die System V Lizenz dagegen entschieden A/UX auf PowerPC zu portieren. Hätten sie wie NeXT BSD als Basis genommen, hätte es keine hohen Lizenzkosten gegeben, und man hätte von Anfang an ein konkurrenzfähiges OS auf PowerPC gehabt.
+4
Mendel Kucharzeck
Mendel Kucharzeck24.09.26 11:15
gfhfkgfhfk
Für die damalige Zeit wäre das super gewesen – doch hätte es wahrscheinlich den Kauf von NeXT verhindert und somit Steve Jobs nicht zurückgeholt und Apple kein NeXTStep beschert, welches über tolle Entwicklerwerkzeuge und Weltklasse-APIs verfügte.
+2
machilly
machilly24.09.26 11:32
System 7 ... das waren 2 Disketten, habe damit angefangen auf einem LC.
Ich war immer aufgeregt wenn was Neues kam, heute warte ich lieber immer etwas ab.
Papa was a Rolling Stone? Ja - aber er küsste eine Crazy Mama. © Philipp Methling/Qobuz :-P
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Termi
Termi24.09.26 11:38
Seit 1987 hatte ich einen Commodore Amiga. Vom A500 über A2000 bis zu A4000, im Endausbau mit PowerPC und Grafikkarten. Bereits der Amiga 1000 bot 1986 Multitasking und eine moderne Oberfläche. Wäre lustig gewesen, wenn Apple Commodore 1994 gekauft hätte, als diese insolvent waren. Da Mac-Emulatoren, wie Shapeshifter funktionierten, wäre sicherlich auch eine ins System integrierte Emulation für alte Programme möglich gewesen.

Mein Amiga begleitete mich bis 2004, wo ich unter Schmerz einen Windows 95 Computer kaufte. Apple war da für mich noch zu teuer und wenig innovativ. Dies änderte sich erst 2006, als die Intel Macs rauskamen. Seitdem bin ich zufrieden mit Hard- und Software und auch der Preis war ok.

Rückblickend war der Kauf von NeXT ein guter Schritt. Nicht nur wegen der Technik, sondern auch wegen Steve Jobs, ohne den Apple heute nicht da wäre, wo sie sind.
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Mendel Kucharzeck
Mendel Kucharzeck24.09.26 11:44
Termi
Du hast 2004 einen Windows-95-PC gekauft? Ich glaub da hat man dich übers Ohr gehauen
+1
Assassin24.09.26 11:47
Ohja, Amigas waren ihrer Zeit teils weit voraus.

Hatte erst einen Amiga 500, später einen Amiga 4000 mit einer 68060er Karte. Rasend schnell.

Vom Betriebssystem her tolle Ideen, die heute noch interessant wären:
Dynamische RAM Disk (okay, seit den schnellen SSDs weniger wichtig)
Datatypes, kleine PlugIns, die Dateiformate für das komplette Betriebssystem bereitstellen konnten.
Unterschiedliche Screens mit unterschiedlichen Einstellungen in Auflösung, Farbtiefe (damals wichtig) und Frequenz
Und, und, und
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