Kommentar zu den Home-Neuerungen: Einige Überraschungen – meist in negativer Hinsicht


Das war also Apples große Home-Offensive, mit der das Unternehmen verlorenes Terrain auf dem lukrativen Markt zurückgewinnen will. Ein Blick auf die ersten Kommentare zeigt aber, dass selten zuvor so negative Stimmung hinsichtlich neuer Apple-Hardware herrschte – und zwar über die Produkte hinweg. Nach den heutigen Ankündigungen bleibt ein ziemlich ernüchternder Eindruck zurück. Die Preise steigen deutlich, die technischen Neuerungen halten sich in Grenzen und ausgerechnet die wichtigste Funktion (Siri AI) steht hierzulande nicht zur Verfügung.
Apple TV: 349 Euro sind schwer zu rechtfertigenDie wohl größte Enttäuschung ist das Apple TV 4K. Es besteht kein Zweifel daran, dass Apple mit dem A19, der verbesserten Funktechnik, den integrierten Mikrofonen und einer aufgewerteten Fernbedienung sinnvolle Verbesserungen vorgenommen hat. Allerdings stellt sich die Frage, welchen praktischen Gegenwert diese für die meisten Nutzer bieten. Schon das Vorgängermodell war schnell genug, um Videos in höchster Qualität wiederzugeben und nahezu alle Aufgaben ohne Verzögerungen zu erledigen. Für die gewöhnliche Nutzung als Streaminggerät bringt die zusätzliche Rechenleistung deshalb wenig. Umso erstaunlicher ist der Preis von 349 Euro. Die bislang angebotene Variante mit 128 GB kostete 299 Euro, das günstigere Modell entfällt sogar vollständig – obwohl kaum ein Nutzer auf dem Gerät so viele Daten speichern dürfte.
Bemerkenswert ist außerdem, dass Siri AI laut Pressemitteilung sogar auf dem Apple TV 4K von 2021 mit seinem A12-Chip und gerade einmal 3 GB Arbeitsspeicher zur Verfügung stehen soll ("Access to Siri AI is also available on Apple TV 4K (2nd generation) or later"). Als exklusives Verkaufsargument für das neue Modell taugt Siri AI also nicht – da wohl die komplette Ausführung der neuen Funktionen auch serverseitig erfolgen kann. HDMI 2.1 mit mehr als 4K/60 wird übrigens weiterhin nicht unterstützt, trotz des 2.1-Steckers ist keine Ausgabe mit 120 Hz möglich.
HomePod mini: Nach sechs Jahren hätte es mehr sein dürfenBeim HomePod mini fällt die Bilanz kaum besser aus. Der neue S10-Chip, die zusätzlichen Einsatzmöglichkeiten am Mac, eine erweiterte Heimkino-Unterstützung und die überarbeitete Beleuchtung sind sicherlich willkommen. Dafür beträgt der Preisaufschlag im Vergleich zu Mai nun sogar satte 60 Euro. Siri AI wird zudem erst mit einem späteren Softwareupdate nachgereicht – und in der EU vorerst überhaupt nicht angeboten. Für sechs Jahre Wartezeit ist das alles in allem recht dürftig.
HomeView spannend – nur nicht für unsAm interessantesten ist zweifellos HomeView. Apple hat hier tatsächlich eine neue Produktkategorie geschaffen und zahlreiche durchdachte Ideen vereint. Gesichtserkennung zur persönlichen Anpassung, die Steuerung des vernetzten Zuhauses, Videotelefonie und eine enge Anbindung an bestehende Apple-Dienste ergeben ein durchaus spannendes Konzept. Doch gerade HomeView steht sinnbildlich für den missglückten bzw. fragmentierten Start der neuen Strategie. Das zentrale Produkt der gesamten Vorstellung lässt sich in der Europäischen Union überhaupt nicht kaufen – offiziell deshalb, weil Siri AI auf iPhone und iPad hierzulande nicht zur Verfügung steht.
Besonders unverständlich ist dies angesichts der Tatsache, dass HomeView die grundlegenden Funktionen von Siri AI durchaus eigenständig beherrscht und ein kompatibles iPhone oder iPad nur für persönliche Kontextfunktionen benötigt ("With Siri AI built into HomeView, even users without an Apple Intelligence-enabled iPhone or iPad will benefit"). Warum Apple das Gerät nicht zumindest mit eingeschränktem Funktionsumfang in der EU anbietet, bleibt damit eine berechtigte Frage. "Gatekeeper" ist Apple in dieser neuen Produktkategorie wohl kaum.
Ein Lichtblick: Home-Zubehör ohne zusätzliche Steuerungs-AppsEine ausgesprochen erfreuliche Entwicklung gibt es hingegen bei der neuen "Home Collection". Apple hat zusammen mit LG und Schneider Electric eine Reihe von Zubehörprodukten entwickelt, die vollständig über die Home-App eingerichtet und gesteuert werden. Zusätzliche Anwendungen der Hersteller oder gar separate Benutzerkonten sind nicht erforderlich. Das klingt zunächst nach einer Selbstverständlichkeit, ist angesichts der üblichen Praxis im Smart-Home-Markt aber ein großer Fortschritt. Allerdings gibt es auch hier einen erheblichen Vorbehalt. Noch ist nicht vollständig ersichtlich, welche Funktionen mit welchen Steuerzentralen zur Verfügung stehen. Apple weist ausdrücklich darauf hin, dass der Funktionsumfang von der verwendeten Hardware abhängt. Inwieweit HomeView für bestimmte Funktionen benötigt wird, bleibt damit eine offene Frage.
Fazit: Zu teuer, zu wenig FortschrittApple hat heute durchaus interessante Technologien vorgestellt. Besonders HomeView könnte sich langfristig zu einer wichtigen Ergänzung des Produktangebots entwickeln. Auch am verbesserten Zusammenspiel von Apple TV, HomePod und Smart-Home-Zubehör gibt es wenig auszusetzen. Nur fällt es schwer, darin bereits den erhofften großen Befreiungsschlag zu erkennen. Viel zu fragmentiert sind Funktionen und Software-Unterstützung (was genau funktioniert jetzt wie, wo, mit welcher Hardware und in welchem Zusammenspiel?) – dazu kommt die teils zwingende Aktivierung per Siri-AI-kompatiblem iPhone/iPad, selbst wenn viele Siri-Funktionen auch so zur Verfügung stünden, wie Apple sogar explizit schreibt.