Push-Nachrichten von MacTechNews.de
Würden Sie gerne aktuelle Nachrichten aus der Apple-Welt direkt über Push-Nachrichten erhalten?

Apple Watch gibt Blutdruck-Warnung aus: Was dahintersteckt – und wie man reagieren sollte

Es gibt Meldungen, die ich auf meinem iPhone nicht sehen möchte. "Möglicher Bluthochdruck" gehörte zweifellos dazu. Als mir die Health-App vor einigen Tagen genau diese Warnung entgegenschleuderte, war der Schreck zunächst groß. In einem dramatischen gelben Hinweisfeld mit Warnsymbol war zu lesen, dass in den vergangenen 30 Tagen Muster erkannt wurden, die auf Bluthochdruck hindeuten. Ich solle dies bei meinem nächsten Arzttermin besprechen. Eine solche Nachricht nimmt man natürlich ernst, vor allem, da es väterlicherseits genau diese Gesundheitsprobleme gab.

[banner]

Überraschend aufgrund meiner Lebensführung
Allerdings hatte ich bislang nie auffällige Blutdruckwerte, treibe regelmäßig Sport und verfüge über einen niedrigen Ruhepuls. Also griff ich zum Blutdruckmessgerät und begann, die Werte jeden Tag mehrfach zu protokollieren. Die Ergebnisse waren dabei unspektakulär: 114/80, 112/75 oder 123/77 mmHg. Doch wie passt das mit der Warnung zusammen, die Apple Watch habe Anzeichen für Hypertonie festgestellt? Um das zu verstehen, muss man sich ansehen, was die Apple Watch überhaupt misst. Mit einem klassischen Blutdruckmessgerät hat das nämlich wenig zu tun.

Statistische Eigenheiten, keine direkte Messung
Bei herkömmlichen Blutdruckmessgeräten wird eine Manschette um den Oberarm gelegt. Darüber ermittelt man über die Veränderungen des Blutflusses beziehungsweise der Druckschwankungen den systolischen (direkt beim Herzschlag) und diastolischen (zwischen zwei Herzschlägen) Blutdruck. Die Apple Watch kann das natürlich nicht. Stattdessen verwendet sie den optischen Herzsensor, der ohnehin zur Pulsmessung dient. Hierbei strahlen LEDs Licht in die Haut, während Fotodioden Veränderungen des reflektierten Lichts erfassen.

[banner]

Das eröffnet nicht nur Einblicke zur Herzfrequenz, auch der zeitliche Verlauf der Pulswellen kann Rückschlüsse auf Eigenschaften des Kreislaufs zulassen. Genau diesen Zusammenhang nutzt Apple für die Bluthochdruck-Erkennung. Wie aus einer Dokumentation hervorgeht, analysiert die Watch ungefähr alle zwei Stunden einen 60 Sekunden langen Abschnitt des optischen Pulssignals. Dank des Beschleunigungssensors lassen sich Daten aussortieren, bei denen sich der Träger gerade bewegt.

Ein durch maschinelles Lernen entwickelter Algorithmus untersucht anschließend bestimmte Eigenschaften des Signals. Die Ergebnisse werden über einen Zeitraum von 30 Tagen zusammengefasst und mit einem festgelegten Schwellenwert verglichen. Welche Eigenschaften des Pulssignals für eine Warnung sorgen, legt Apple nicht vollständig offen.

Aufwendige Studien durchgeführt
Apple hat für die Entwicklung des Algorithmus Daten von mehr als 100.000 Studienteilnehmern verwendet. Für die entscheidende Auswertung standen die Daten von 1.863 Teilnehmern zur Verfügung. Bei Teilnehmern mit tatsächlich vorhandenem Bluthochdruck schlug die Watch in 41,2 Prozent der Fälle an. Das bedeutet umgekehrt aber, dass sechs von zehn Betroffenen keine Warnung erhielten. Besser sieht es bei der Vermeidung falscher Warnungen aus. Von 100 Teilnehmern ohne Bluthochdruck erhielten 92 keine Meldung, während acht Personen trotzdem einen Alarm sahen. Mit leichter Hypertonie der Stufe 1 betrug die Erkennungsrate lediglich 29,6 Prozent. Mit Stufe 2 waren es immerhin 53,7 Prozent.

Wichtig zudem bei der Beurteilung: Die European Society of Cardiology sieht für Heimmessungen erst ab 135/85 mmHg als Hypertonie an, hat allerdings eine zusätzliche Kategorie namens "erhöhter Blutdruck" eingeführt, die bereits bei 120 mmHg systolisch oder 70 mmHg diastolisch beginnt. Selbst ein Wert von 114/80 kann dort bereits als "Elevated blood pressure" erscheinen – und in jenem Bereich befinde ich mich gemäß den Messungen tatsächlich sogar beim unteren Wert, obwohl die Apple Watch gar keine absoluten Zahlen feststellen kann.

[banner]

Was tun, wenn die Watch Alarm schlägt?
Trotz aller Einschränkungen sollte man die Meldung nicht einfach ignorieren. Bluthochdruck verursacht häufig über Jahre keine spürbaren Beschwerden, kann langfristig aber Herz und Blutgefäße schädigen. Apple empfiehlt nach einer solchen Warnung, den Blutdruck sieben Tage lang mit einem geeigneten Oberarmmessgerät zu kontrollieren und die Ergebnisse beim nächsten Arzttermin zu besprechen. Die Health-App bietet dafür ein Protokoll mit entsprechenden Erinnerungen an.

Eine sinnvolle Funktion mit erklärungsbedürftigen Grenzen
War die Warnung in meinem Fall also ein Fehlalarm? Das lässt sich noch nicht abschließend beurteilen. Die seitdem durchgeführten, regelmäßigen Blutdruckmessungen waren zumindest unauffällig. Die Beschäftigung mit Apples technischen Unterlagen und den wissenschaftlichen Studien hat den ersten Schreck allerdings deutlich relativiert. Apple hat mit dieser Funktion ein Frühwarnsystem geschaffen, das allein durch die hohe Verbreitung der Apple Watch medizinisch nützlich sein kann. Die Meldung ohne zusätzliche Erklärung wirkt jedoch schnell wie eine persönliche Diagnose – und vermieste mir daher den Montagmorgen!

Kommentare

Somasi23.10.26 14:28
Diese Meldung erreichte auch mich, und da ich selbst Veränderungen wahrnahm und ein Blutdruckprotokoll mit deutlich erhöhten Werten erhalten habe, zeigte sich, dass ich bald einen Herzinfarkt erlitten hätte.
Die betroffenen Gefäße konnten, bei einer Herzkatheteruntersuchung, so frühzeitig wieder geöffnet werden.

Es muss nicht, aber es kann etwas vorliegen. Also lieber kontrollieren.
+13
Moka´s Onkel
Moka´s Onkel23.10.26 14:41
Danke für die interessanten Erläuterungen.

Die von der Apple Watch verwendete Methode der Blutdruckmessung wird seit etlichen Jahren auch von der Schweizer Firma Hilo (früher Aktiia) verwendet. Dafür gibt es einen speziellen Sensor, der an einem separaten Armband getragen wird.

Die Messungen per Sensor funktionieren eigentlich ganz gut. Allerdings muss man den Sensor kalibrieren - vor dem ersten Tragen und dann mindestens alle 4 Wochen. Und zum Kalibrieren muss man dann eben doch die Manschette anlegen. Die wird mit dem Sensor per Bluetooth verbunden und kann so den Sensor mit "echten" Messungen kalibrieren. Der Sensor misst den Blutdruck dann in etwa stündlich. Die Auswertung erfolgt via Bluetooth über die App.

Gerne würde ich auf das separate Armband mit dem Sensor verzichten, wenn es denn per Apple Watch genauso gut funktionieren würde. Ich habe mich schon lange gefragt, wann dieser Sensor wohl in die Apple Watch integriert wird, doch kann ich mir gut vorstellen, dass dem Patentfragen im Wege stehen.
+3
RobRoy23.10.26 15:58
Super hatte ich Anfang des Jahres auch war beim Arzt und auch dieser hat ein Langzeit EKG sowie Blutdruck Protokoll gemacht beides unauffällig
Sicher ist man sieht etwas und lieber einmal
Mehr zum Arzt als einmal zu spät
+3
sonorman
sonorman23.10.26 18:20
Somasi
… Es muss nicht, aber es kann etwas vorliegen. Also lieber kontrollieren.
RobRoy
…
Sicher ist man sieht etwas und lieber einmal
Mehr zum Arzt als einmal zu spät
Das kann ich als Betroffener unterschreiben. Ich hatte jahrelang unbemerkt zu hohen Blutdruck und irgendwann war es fast zu spät, was mir eine fette OP eingebracht hat.

Wegen der diagnostizierten Hypertonie und tonnenweise Blutdrucksenkern, mit denen ich trotzdem nicht auf solche Traumwerte wie die von fen komme, kann ich das Feature in der Watch auch nicht aktivieren.
+1
Tirabo23.10.26 22:25
Ich kann nur dringend raten, bei jedem geringen Zweifel einen Arzt aufzusuchen.

Ich betreibe seit fast 20 Jahren Laufsport, und meine Leistungen waren recht gut. Eine Garmin begleitete mich stets. Zunehmend kämpfte ich mit Leistungsproblemen. Mein VO2 Max sank auf der Garmin innerhalb von einem Dreivierteljahr von 56 auf 50. Bei einer Leistungsdiagnostik im Herbst zeigten sich Ergebnisse, die mich fast schockierten: VO2 Max 46 – ein massiver Leistungsabfall, den man als Absturz bezeichnen kann. Das hat mich wirklich sehr erschüttert. Nach der Konsultation meines Hausarztes wurden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, doch es wurde nichts gefunden; alles war in Ordnung, abgesehen von leicht erhöhten LDH-Werten, die jedoch kein Problem darstellten. Im Frühjahr begann ich nach einer bewussten Pause wieder mit dem Training. Vier Monate später erlitt ich einen schweren Herzinfarkt, ohne die typischen Symptome zu zeigen. Ich wärmte mich gerade für das Intervalltraining auf, als mein Rücken plötzlich schmerzte und mein linker Arm leicht brannte. Es fühlte sich irgendwie seltsam an, sehr ungewöhnlich, aber nicht sehr stark. Seit zwei Monaten hatte ich zunehmend Rücken- und Nackenprobleme. Zunächst absolvierte ich das Intervalltraining. Da es nicht besser wurde, suchte ich zwei Tage später erneut meinen Arzt auf. Wieder waren alle Werte top, auch das EKG, und sogar ein Troponintest war negativ. Am selben Nachmittag begab ich mich dennoch vorsichtshalber in die Notaufnahme, weil es mir zunehmend schlechter ging. Plötzlich schlug das (erst das zweite!) EKG an. Der Troponintest war zudem plötzlich deutlich erhöht. Die Nacht in der Chest-Pain-Unit war wirklich belastend, da es mir extrem schlecht ging. Die anschließende Herzkatheteruntersuchung zeigte es: schwerer Herzinfarkt (abgelaufener Stemi), Vollverschluss. Ich überlebte ihn nur, weil mein Körper durch den Sport mit der Zeit Kapillaren am Herzen bildete, die die Verengung und den späteren Verschluss des Riva umgingen. So blieb mein Herzmuskel zumindest schwach restdurchblutet. Durch diesen Glücksfall habe ich überlebt.
Ich war 49. Das verändert dein Leben.
Glück im Unglück war zudem, dass kaum Vernarbung des Herzmuskels entstand, und auch nur dort, wo die Kontraktion nicht ausgeprägt ist. Daher habe ich keine Herzinsuffizienz.


Leute, sobald ihr auch nur im Geringsten Probleme verspürt, sei es ein Gefühl von Sodbrennen, ein immer wieder drückender Schmerz im Nacken und der Halswirbelsäule, Gefühl von Schwäche und Leistungsverlust, geht zum Kardiologen! Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.
Verlasst euch dabei nicht auf eure Uhren. Es kann durchaus sein, dass sie auch gar nichts anzeigen!
Niemand hat damit gerechnet, dass ich einen Herzinfarkt erleide, ich noch weniger.
+3

Kommentieren

Sie müssen sich einloggen, um die News kommentieren zu können.