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Studie: Welche KI-Chatbots Nutzerdaten und Inhalte an Dritte weitergeben

KI-Assistenten werden längst nicht mehr nur für unverfängliche Wissensfragen genutzt. Anwender besprechen mit ChatGPT, Claude, Gemini und Co. Gesundheitsfragen, berufliche Themen oder finanzielle Angelegenheiten – entsprechend sensibel können die dabei anfallenden Daten sein. Eine neue Untersuchung des Forschungsinstituts IMDEA Networks zeigt nun, dass zahlreiche KI-Dienste Informationen aus solchen Unterhaltungen an externe Analyse- und Werbedienste übermitteln. Wie weit dies geht, unterscheidet sich allerdings erheblich zwischen den einzelnen Anbietern.

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Untersuchung: Was passiert nach dem Prompt?
Für die Studie "Prompt like a Butterfly, Sting like a Tracker" untersuchten die Forscher ChatGPT, Claude, Gemini, Grok, DeepSeek, Perplexity, Mistral Le Chat, Meta AI und Microsoft Copilot. Alle untersuchten Angebote kommunizierten mit mindestens einem externen Analyse- oder Trackingdienst. Insgesamt fand man 124 Drittanbieter-Domains von 44 Unternehmen, von denen sie 34 dem Bereich Werbung und Tracking zuordneten.

ChatGPT: Chat-Kennung und URL, aber nicht der Gesprächsinhalt
Bei ChatGPT beobachtete man im Browser eine Übertragung der eindeutigen Gesprächskennung und der Chat-URL an Datadog, einen Dienst für Analyse und Systemüberwachung. Zusätzlich wurden Nutzer- und Sitzungskennungen übermittelt. Den eigentlichen Prompt, die Antwort oder den automatisch erzeugten Titel sahen die Forscher dort hingegen nicht.

Gemini: Der automatisch erzeugte Chattitel kann nach außen gelangen
Bei Gemini liegt das Problem an einer anderen Stelle. Die Webversion übermittelte den automatisch erzeugten Titel eines Gesprächs an Google Analytics. Solche Titel können bereits erstaunlich viel verraten. Auch bei abgelehnten nicht notwendigen Cookies beobachteten die Forscher entsprechende Google-Verbindungen. Der komplette Prompt gelangt jedoch nicht nach außen.

Perplexity: Prompt in der Android-App
Bei Perplexity unterschieden sich Webversion und die getestete Android-App (iOS wurde nicht untersucht!) deutlich. Im Browser beobachteten die Forscher unter anderem Gesprächskennung und Chat-URL bei Datadog. In der Android-App ging dagegen sogar der jüngste Prompt an den Analysedienst Wingify. Damit gehört Perplexity zu den Diensten, bei denen tatsächlich ein Teil des eigentlichen Gesprächsinhalts an einen externen Anbieter gelangte.

Grok fällt besonders negativ auf
Nach Zustimmung zu nicht notwendigen Cookies übermittelte die Webversion Gesprächskennung, vollständige Chat-URL und automatisch erzeugten Titel gleich an mehrere Dienste, darunter DoubleClick, Google Ads, Meta, TikTok und Twitter Analytics. Teilweise kamen Werbe-Cookies oder dauerhafte Kennungen hinzu, mit denen sich diese Informationen einem Nutzerprofil zuordnen lassen. Noch weiter ging es beim ausdrücklichen Teilen eines Grok-Chats. Meta und TikTok erhielten laut Untersuchung den letzten Prompt im Klartext, TikTok zusätzlich eine Bildschirmaufnahme des jüngsten Teils der Unterhaltung. Grok war zudem der einzige Dienst, bei dem die präparierten Testlinks noch Stunden und Tage später wiederholt von fremden Systemen aufgerufen wurden. Insgesamt registrierten die Forscher 70 Abrufe aus 14 Ländern.

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Meta AI, DeepSeek und Microsoft Copilot geben nichts weiter
Bei Meta AI ließ sich keine Übermittlung von Prompt, Titel oder Gesprächslink an externe Tracker feststellen. Man sollte dennoch nicht folgern, bei Meta AI den besten Datenschutz vorzufinden, denn intern dürften Daten sehr wohl verarbeitet werden. In der Studie ging es allerdings explizit um die Weitergabe an Drittanbieter, nicht um Datennutzung direkt auf der Plattform. Besonders zurückhaltend zeigten sich in der Untersuchung auch DeepSeek und Microsoft Copilot, beide überreichten keine Inhalte – allerdings gilt hier dieselbe Einschränkung wie bei Meta.

Claude und Mistral: Chat-Links mit Kontodaten verknüpft
Bei Claude erhielten externe Analysedienste unter anderem Gesprächskennungen und Chat-URLs. Intercom bekam zudem Nutzerkennung, E-Mail-Adresse und weitere Kontodaten übermittelt. Noch aussagekräftiger waren die Funde bei Mistral Le Chat. Dort gingen neben der Gesprächskennung auch URL und automatisch erzeugter Chattitel gemeinsam mit Nutzer- und Kontoinformationen an Intercom. Die eigentlichen Prompts oder Antworten wurden in diesen Fällen jedoch ebenfalls nicht übertragen.

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Wichtige Anmerkung zu den Funden
Bei den Funden ist allerdings zwischen Werbung und anderen Aufgaben zu unterscheiden. Nicht jedes Drittunternehmen ist nämlich ein Datenhändler. Dienste wie Datadog oder Sentry werden beispielsweise vor allem zur Fehleranalyse, Überwachung und Diagnose eingesetzt. Die Studie weist Datenübertragungen nach, nicht aber einen Verkauf von Chat-Inhalten. Aus den Ergebnissen lässt sich daher nicht ableiten, dass KI-Anbieter komplette Gespräche gegen Bezahlung an Werbefirmen weiterreichen. Wie erwähnt ging es zudem nicht darum, was der jeweilige KI-Anbieter intern mit den Unterhaltungen macht.

Tipps für mehr Privatsphäre
Wer KI-Chatbots nutzt und besonders auf Nummer sicher gehen will, sollte sensible Angaben möglichst vermeiden und keine vertraulichen Dokumente, Zugangsdaten oder personenbezogenen Informationen Dritter eingeben. Empfehlenswert ist zudem bei webbasierten KI-Diensten, nicht notwendige Cookies abzulehnen, verfügbare Optionen zur Nutzung von Chats für Training oder Personalisierung zu deaktivieren und allem voran öffentliche Freigabelinks nur gezielt einzusetzen.

Kommentare

Johnny6507.10.26 10:05
Weil das von mir gern genutzte Perplexity in der Zusammenfassung des Artikels hier nicht aufgeführt wird, habe ich mal in der Originalquelle nachgeschaut. Nach schnellem Drüberscannen (ausführlich in das 18-seitige Paper eingelesen habe ich mich nicht) scheint es ungefähr auf dem Niveau von ChatGPT und somit noch relativ gut abzuschneiden.

Und dass man als normal verdrahteter Mensch um Dienste von Elon Musk besser einen großen Bogen macht, hat mich jetzt nicht sooo überrascht.
+3
Fenvarien
Fenvarien07.10.26 10:25
Johnny65 Ist noch in der Meldung ergänzt. Allerdings ist der Tabelle zufolge Perplexity der einzige Dienst, der anscheinend sogar Prompts übermittelt
Up the Villa!
+5
Liebestöter07.10.26 10:40
Ich frage mich eine Suchmaschine (und nichts anders ist eine KI) funktionieren soll ohne das Gesuchte an den Server zu übertragen.
-5
Johnny6507.10.26 10:41
Fenvarien: Danke für die Ergänzung und den Hinweis. Das hatte ich beim Querlesen der Studie tatsächlich übersehen.
Allerdings habe ich als iOS-Nutzer die Abschnitte zur Android-App auch ignoriert. Ich selbst nutze Perplexity fast ausschließlich übers Web – schön, dass das die weniger problematische Variante ist.
Grundsätzlich schade (was aber natürlich nicht Kritik an Euch, sondern an der Studie ist), finde ich im Übrigen auch, dass offenbar nicht zwischen den Free- und den Bezahl-Versionen dieser Dienste unterschieden wurde.
0
teorema67
teorema6707.10.26 10:48
Dass Copilot zurückhaltend sein soll, überrascht einerseits - andererseits auch nicht, wenn man an einen Großteil der MS-Klientel (Unternehmen und Behörden) denkt.
— Hier könnte Ihre Werbung stehen —
-1
xcomma07.10.26 11:24
teorema67
[..] Copilot [..] überrascht

Aus einem:
MTN
[..] ließ sich keine Übermittlung [..] feststellen.

ein:
MTN
[..] geben nichts weiter
zu machen, ist aber auch eine etwas abenteuerliche Schlussfolgerung.
0
holk10007.10.26 12:28
Vielleicht hilft die Diskussion ja, das Vorgehen von Apple, hier deutlich rigider vorzugehen, wenn alle persönlichen Daten aus dem iPhone ausgelesen werden, etwas mehr wert zu schätzen.
-1
IceHouse
IceHouse07.10.26 12:51
holk100
Vielleicht hilft die Diskussion ja, das Vorgehen von Apple, hier deutlich rigider vorzugehen, wenn alle persönlichen Daten aus dem iPhone ausgelesen werden, etwas mehr wert zu schätzen.

Apple kocht auch nur mit Wasser...
https://www.heise.de/news/Diese-Daten-geben-ChatGPT-Gemini-Claude-und-Co-ueber-uns-an-Dritte-11476698.html
Insgesamt fanden die Forscher im Rahmen ihrer Untersuchung wohl 44 Tracking- oder Werbe-Drittanbieter, die Daten von den KI-Anbietern erhalten. Sie betonen aber, dass diese von Testlauf zu Testlauf variieren können. Tracker von Google seien bei allen KI-Anbietern am weitesten verbreitet, gefolgt von bekannten Datentrackern wie Sentry, Meta, Datadog und Intercom. Auch Unternehmen, die man nicht in erster Linie mit ihrer Datensammlungspraxis assoziiert, sind dabei – wie TikTok, Apple und X.
Ich fotografiere, um herauszufinden, wie etwas aussieht, wenn es fotografiert wurde. - Gary Winogrand
+1
Bodo_von_Greif07.10.26 16:36
Hallo zusammen,

Deepseek plappert sehr wohl



Gruss,
Bodo
[x] nail here for new monitor
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