Vieles hat sich in den letzten fünf Jahren verändert und vergleicht man Apples Marktposition vor fünf Jahren mit dem Auftreten heutzutage, so wird schnell deutlich, in welchen Bereichen sich Apple neu aufstellte. War Apple vor 5 Jahren noch eher der Nischenanbieter, dem mit iPod und iTunes ein überraschender Erfolg gelungen war, so hat Apple heute mehrere neue Geschäftsfelder erschlossen und ist weitaus mehr als nur ein Computerhersteller. Schon ein Blick auf den Unternehmensnamen zeigt das: Vor fünf Jahren war es "Apple Computer Inc.", heute nur noch "Apple Inc.". Im Folgenden vergleicht MacTechNews.de einige wichtige Säulen des Unternehmens und stellen dar, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten sich zwischen Apple Computer im Jahr 2005 sowie Apple Inc im Jahr 2010 bieten.
Mac:
Vor fünf Jahren bereitete Apple die Mac-Anwender auf eine gewaltige "Transition" vor, wie Apple den Wechsel von PowerPC- auf Intel-Prozessoren bezeichnete. Bis Juni 2005 war die PowerPC-Welt noch in Ordnung und kaum jemand schenkte den immer wiederkehrenden Gerüchten über einen Wechsel zu Intel-Prozessoren Glauben. Heute ist es selbstverständlich, in jedem Mac Intel-Prozessoren vorzufinden, vor fünf Jahren spaltete diese "Glaubensfrage" die Foren. Bislang hatte Apple den PowerPC immer als klar überlegen dargestellt, jetzt galt es zu argumentieren, warum Intel die besseren Prozessoren fertigen wird. Apples wesentliche Erklärung: Der G5 sei leistungsfähig aber zu energiehungrig. IBM schaffe es nicht, einen G5 für das PowerBook zu entwickeln, Intel habe die vielversprechenderen Produkte in der Pipeline.
Vor fünf Jahren setzten Profi-Anwender auf den Power Mac G5 (Ende 2005 dann auch mit vier Prozessorkernen), Einsteiger auf das iBook, ambitioniertere Notebook-Benutzer auf das PowerBook G4. Der iMac war bereits in einem Flachbildschirm untergebracht. Heute lauten die Produktbezeichnungen MacBook, MacBook Pro und Mac Pro. Das Namenschema ist erheblich einheitlicher geworden, laut Apple um den Bestandteil "Mac" deutlicher hervorzuheben.
Vor fünf Jahren kostete der günstigste Mac 499,- Dollar, seit Januar 2005 gab es den Mac mini. Heute muss man für die Basiskonfiguration 699 Dollar aufbringen. Hierzulande kostete der Einsteiger-Mac 489,- Euro für 1,25 GHz G4, jetzt sind es 809,- Euro für 2,4 GHz Core 2 Duo.
Günstiger wurde hingegen der iMac. Vor fünf Jahren kostete das Modell mit 1,8 GHz G5 und 17"-Display mindestens 1269,- Euro, heute erhält man schon für 1115,- Euro einen iMac 21,5" mit 3,06 GHz Core 2 Duo. Das Basis-iBook mit 1,33 GHz G4 kostete 1029,- Euro, heute kann man für 1015,- Euro ein MacBook mit 2x 2,4 GHz erwerben.
In der Profiliga lagen die Einstiegskosten bei 1919,- Euro (eigentlich 1399,- Euro, dazu aber gleich). Für 1919,- Euro erhielt man einen Power Mac mit 2x 2,0 Ghz. 512 MB RAM und 160 GB Festplatte. Heute muss man für einen Mac Pro mindestens 2299,- Euro aufbringen, erhält dafür aber 4x 2,66 GHz, 3 GB RAM und 640 GB Festplatte. Vor fünf Jahren hatte Apple den Power Mac mit 1x 1,8 GHz angeboten, um einen immer wieder geäußerten Kundenwunsch zu erfüllen, den günstigeren, gut zu erweiternden Mac. Allerdings sorgte das "Billig-Modell" des Power Mac G5 bei vielen Benutzern für ganz erhebliche Probleme. Regelmäßige Systemhänger trieben die Anwender zur Weißglut, das so genannte "Freeze-Problem" wurde lange Zeit geleugnet und erst spät behoben. Die Stimmung in den Foren war dementsprechend schlecht, Apple verzichtete fortan auf einen Tower in günstiger Bauweise.
WWDC 2005 - Apple wird bis 2007 auf Intel-Prozessoren umsteigen, Apple stellt günstigen Einstiegsmac vor
iPod
Während man die Jahre 2003 (der iTunes Store ging an den Start) und 2004 (Apple erweiterte die Modellpalette um den iPod mini) oft als Beginn des großen Erfolgs mit dem iPod bezeichnet, war spätestens 2005 klar, welch immense Bedeutung der iPod für Apple erlangt hatte. Im Weihnachtsquartal 2005 trugen die iPods mit 55 Prozent zum Gesamtumsatz bei und überholten damit sogar den Mac. Heute besagen kritische Stimmen, Apple vernachlässige den Mac wegen iPad und iPhone, damals sah manch einer das Ende der Macs kommen, da Apple sich angeblich nur noch auf den iPod konzentrierte. Ein weiteres überaus erfolgreiches iPod-Modell erblickte im September 2005 das Licht der Computerwelt: Der iPod nano. Vergleicht man die Situation vor fünf Jahren mit heute, so spricht man inzwischen weitaus seltener vom iPod. Es ist fast normal geworden, die Apple-Kopfhörer auf den Straßen zu sehen, zudem kann das iPhone ebenfalls wunderbar als iPod benutzen. Der iPod touch, ein "iPhone ohne Telefon" ist das populärste Modell, bei den klassischen Baureihen ohne iOS muss Apple hingegen sinkende Verkaufszahlen verkraften. Der iPod ist für Apple weiterhin wichtig aber nicht mehr der große Schlagzeilen-Bringer wie vor fünf Jahren.
Apple und das Mobiltelefon
Gerüchte um ein Mobiltelefon von Apple gingen bereits seit Jahren durch die Gerüchteküche. Vor fünf Jahren war das nicht anders, damals glaubte man dann aber zu wissen, auf welcher Grundlage diese Gerüchte beruhten. Das fragliche Mobiltelefon stammte nicht von Apple sondern von Motorola und trug die Bezeichnung "ROKR". Warum dieses Produkt total in Vergessenheit geriet? Die einzige wichtige Funktion von Apple war Kompatibilität mit iTunes. Das ROKR ließ sich über iTunes synchronisieren und verfügte auch über einen iTunes Player. Selten ergoss sich so viel Häme über ein Produkt, an dem Apple beteiligt war, sodass Apple und Motorola nach einem ebenso erfolglosen Folgemodell stillschweigend nicht mehr kooperierten. Vor fünf Jahren war Apple also indirekt im Mobilfunkmarkt beteiligt, heute zählt man zu den ganz großen Anbietern. Das iPhone 4 findet reißenden Absatz, am ersten Tag der Vorbestellungsphase legte der Ansturm sogar die Server von AT&T und Telekom lahm. Vor fünf Jahren hätte kaum jemand gedacht, wie stark viele Anwender Apple eher mit Smartphones und Lifestyle-Artikeln in Zusammenhang bringen, denn mit Macs und Mac OS.
ROKR, das iTunes-Handy
OS X
Vor fünf Jahren fand der Übergang von Mac OS X 10.3 Panther auf Mac OS X 10.4 Tiger statt. Von Tiger gab es 2005 auch eine Version für Intel-Macs, die sich allerdings nur an Entwickler richtete. Vor fünf Jahren freuten sich Mac-Benutzer, über die Metadatensuche "Spotlight" auch nach Dateiinhalten suchen zu können, über Dashboard Widgets einzublenden und den von Apple angepriesenen Video-Codec H.264 als Bestandteil von QuickTime zu erleben. Ebenfalls neu war der Automator um Routineaufgaben automatisiert ablaufen zu lassen, Safari 2.0 brachte RSS mit. Vor fünf Jahren gelang es Apple, dass in den Foren kaum noch argumentiert wurde, OS 9 sei das bessere System. Mit 10.2 Jaguar und 10.3 Panther hatte ein deutlicher Stimmungsumschwung stattgefunden, mit 10.4 war die Diskussion nahezu beendet. Fünf Jahre später liegt die Versionsnummer um 0.2 höher und das aktuelle Betriebssystem läuft nur noch auf Intel-Macs. Vor fünf Jahren konnte die frei verfügbare Version des damals aktuellen Systems hingegen ausschließlich auf PowerPC-Macs ausgeführt werden.
Aus Sicht der Entwickler
Vor fünf Jahren war es in einigen Bereichen noch deutlich aufwändiger, dasselbe Ergebnis wie heute zu erzielen. 2005 wurde CoreData eingeführt und erleichterte den Umgang mit großen Datenmengen ganz erheblich. CoreData kann zum Beispiel die Abstraktionsschicht zwischen einer Datenbank und einem Programm sein. 2005 musste man sich als Entwickler noch komplett selber darum kümmern, Inhalte in den Speicher zu schreiben und diese bei Nichtgebrauch wieder zu entfernen. Inzwischen ist es möglich, auf das so genannte "Garbage Collection" zu setzen um diese Aufgabe automatisch verrichten zu lassen. Speicherfehler machen einen erheblichen Anteil an Abstürzen von Programmen aus, wenn der Speicher manuell verwaltet werden muss. Dies lässt sich mit Garbage Collection umgehen (was allerdings nicht bedeutet, dass Garbage Collection die Lösung aller Speicherprobleme ist). CoreAnimation ermöglicht es, mit wenig Aufwand animierte Benutzeroberflächen zu gestalten und so dem Nutzer Feedback zu geben. Um dasselbe Resultat zu erreichen, wäre vor mehr als fünf Jahren signifikant mehr Code notwendig gewesen.
Rückwärtskompatibiliät wurde hingegen nach und nach zurückgefahren. So ist es zum Beispiel auf einem etwas mehr als vier Jahre alten Power Mac G5 nicht mehr möglich, Apples aktuelles Betriebssystem einzusetzen.
Quartalsergebnisse und Verkaufszahlen
Vor fünf Jahren standen Apples Finanzen zwar auf soliden Füßen; verglichen mit den heutzutage erzielten Umsätzen und Gewinnen wirken die Ergebnisse aber fast wie die sprichwörtlichen "Peanuts". Der Aktienkurs überschritt einen Stand von 50 Dollar und man jubelte über diese Rekordkurse; heute sind es mehr als 250 Dollar und Apple hat beim Börsenmarkt sogar Microsoft überholt. Vor fünf Jahren hatte Apple gleich mehrere Rekordergebnisse in Folge bekannt gegeben. Das erste Kalenderquartal 2005 brachte 290 Millionen Dollar Gewinn bei einer Steigerung um 530 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Unter anderem eine Million Macs und 5,3 Millionen iPods sorgten für einen Umsatz von 3,24 Milliarden Dollar. Fünf Jahre später liegt der Gewinn bereits bei 3,07 Milliarden Dollar, also fast so hoch wie der Umsatz im ersten Quartal 2005. Apple verkauft knapp 3 Millionen Macs und 11 Millionen iPods. Zusätzlich verbessern noch 3,79 Millionen iPhones das Quartalsergebnis,
Apple macht im abgelaufenen Quartal 290 Millionen Dollar Gewinn, +530 % zum Vorjahr
Apple und die Konkurrenz
Vor fünf Jahren bewegte sich Apple im Markt für MP3-Player nahezu ohne Konkurrenz und baute den Marktanteil auf über 60 Prozent aus, daran hat sich bis heute wenig geändert. Wenn man den Hauptkonkurrenten Apples benennen sollte, so war das vor fünf Jahren (wenn überhaupt) Microsoft. Microsoft hatte sich mit Windows "Longhorn" in eine Sackgasse manövriert und es zeichnete sich ab, dass der XP-Nachfolger im großen Stile noch einmal überdacht werden muss. Bei Apple hingegen gingen die großen Updates für OS X leicht von der Hand. 2002 Jaguar, 2003 Panther, 2005 Tiger.
Fünf Jahre später hat sich die Konkurrenzsituation erheblich verschärft und betrachtet man, auf welchen neuen Geschäftsfeldern sich Apple inzwischen bewegt, so gibt es weitere direkte Konkurrenten. Allerdings hätte man vor fünf Jahren kaum damit gerechnet, dass Google einer der Hauptkonkurrenten wird. Vor fünf Jahren konnte man von einer freundschaftlichen Beziehung zwischen Apple und Google sprechen, heute sind die beiden Unternehmen nicht mehr sonderlich gut aufeinander zu sprechen. Google kritisiert offen Apples Politik, bietet eigene Smartphones, ein Smartphone-Betriebssystem und demnächst auch ein System für kompakte Notebooks, Apple hingegen wird auf dem Werbemarkt aktiv, sperrt Google aber vom iPhone aus.
Ebenfalls offene Schlachten liefert sich Apple mit Mobilfunkherstellern wie HTC und Nokia; gegen beide Unternehmen laufen Klagen, von beiden Anbietern wurde Apple ebenfalls verklagt. Die Musikindustrie ist mit Apples strikten Regeln für den iTunes Store weiterhin unzufrieden, die Filmindustrie lernte aus dem Beispiel, wie Apple diese Regeln diktierte. Aus diesem Grund tut sich Apple schwer damit, die Filmindustrie von neuen Angeboten im iTunes Store zu überzeugen. Kauf- und Leihfilme stehen in vielen Ländern weiterhin nicht über iTunes zur Verfügung. Nicht zu vergessen auch Apples Kampf gegen Flash und die Verweigerung, Flash auf iPhone, iPod touch oder iPad zu erlauben. Sowohl in den USA als auch in der EU könnte diese Entscheidung Untersuchungen nach sich ziehen.
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