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Bericht - 35 Jahre Apple, 7 CEOs: Scott, Markkula, Sculley, Spindler, Amelio, Jobs und Cook
Apples Führungsspitze zwischen 1977 und heute

In Apples Anfangstagen gab es noch keinen CEO, erst im Jahr 1977 wurde der CEO Nummer 1 berufen. Interessanterweise wurde Mitgründer Steve Jobs erst 21 Jahre nach Apples Gründung CEO, Steve Wozniak befand sich nie auf dieser Position, der dritte Mitgründer Ronald Wayne geriet gar ganz in Vergessenheit. Im Folgenden stellt MacTechNews.de die Geschichte der Apple-CEOs dar und geht auf alle Figuren ein, die an Apples Spitze standen.

Michael Scott (CEO von 1977 bis 1981)

Michael Scott Michael Scott wurde Apples erster CEO, nachdem weder Steve Jobs noch Steve Wozniak ausreichend viel Zeit mitbringen konnten, sich um die Angelegenheiten der allgemeinen Geschäftsführung zu kümmern. Scott war zuvor bei National Semiconductor tätig, bis ihn Apples Angestellter Nummer 3 Mike Markkula ins Unternehmen holte. Am 25. Februar des Jahres 1981 leitete Michael Scott einen Tag in Apples Geschichte ein, der als "Black Wednesday" bekannt wurde. Das halbe Team rund um den Apple II wurde entlassen, insgesamt mussten 40 Mitarbeiter gehen. Scott war der Meinung, dass diese Angestellten nicht benötigt werden. Auf einer Feier am Abend kommentierte er, eigentlich bei Apple aufhören zu wollen, sobald es keinen Spaß mehr mache. Jetzt sei er zu einer neuen Erkenntnis gekommen: Wenn der Spaß verloren geht, dann feuere er einfach so viele MItarbeiter, bis er wieder Freude empfinde. Ein sehr unglücklicher Ausspruch, der auch sein Ende als CEO einleitete. Nur kurze Zeit später wurde er auf einen einflusslosen Posten versetzt, im Juli 1981 verließ er Apple. Im Wortlaut verabschiedete sich Scott folgendermaßen von Apple: So I am having a new learning experience, something I’ve never done before. I quit, not resign to join a new company or retire for personal reasons…This is not done for those who fear my opinions and style, but for the loyal ones who may be given false hope. Yours. Michael, Private Citizen

Mike Markkula (CEO von 1981 bis 1983)

Mike Markkula Auch wenn Mike Markkula inzwischen eher in Vergessenheit geraten ist, zählte er doch zu den wichtigsten Personen in Apples Geschichte. Apple brauchte zur Expansion dringend Geld, ansonsten wäre es nicht möglich gewesen, den Apple II in hohen Stückzahlen produzieren zu lassen. Es war einmal mehr Steve Jobs' Überzeugungstalent, das Markkula dazu brachte, nach seinem beabsichtigten Ruhestand wieder ins Geschäftsleben einzutreten. Mit einer Einlage von 250.000 Dollar, 170.000 davon als Kredit, wurde Markkula Apples Angestellter Nummer 3. Steve Wozniak gab später an, dass Markkula fast mehr zum Erfolg von Apple beigetragen habe als er, der immerhin Apple I und Apple II beinahe eigenhändig und ohne weitere Hilfe entwickelte. Markkula hatte seiner Familie eigentlich versprochen, im Jahr 1984 endgültig aus dem Berufsleben auszuscheiden - allerdings blieb er Apple bis zum Jahr 1997 treu und verließ Apple erst, als Steve Jobs wieder zurückkehrte. Markkula zählte zu den wichtigen Köpfen hinter der Entwicklung des ersten Macintosh. Er stand somit in interner Konkurrenz zu Steve Jobs, der lieber das Macintosh-Projekt zu Gunsten der Lisa vernachlässigt oder gar eingestellt hätte. 1985 stellte sich Markkula eindeutig hinter den neuen CEO John Scully und trug dazu bei, dass Steve Jobs seines Postens enthoben wurde und daraufhin Apple frustriert den Rücken kehrte.

John Sculley (CEO von 1983 bis 1993)

John Sculley Der im Jahr 1983 zur Position des CEOs berufene John Sculley stammte eigentlich aus einer ganz anderen Branche. War er zuvor erst als President, dann als Vice President von Pepsi tätig, konnte er schließlich für Apple gewonnen werden. Es war Steve Jobs, der ihn mit dem bekannten Ausspruch köderte, ob Sculley lieber für den Rest seines Lebens Zuckerwasser verkaufen oder die Welt verändern wollte. Bei Pepsi konnte Sculley große Erfolge einfahren und durch erfolgreiche Marketing-Kampagnden dem Erzkonkurrenzen Coca Cola erhebliche Marktanteile abnehmen. Auch bei Apple steigerte er den Umsatz - dennoch wird kaum ein Apple-Fan Sculley in besonders guter Erinnerung behalten. Der Grund: Es ist beinahe als ironisch zu bezeichnen, dass Jobs, der Sculley ins Unternehmen holte, zwei Jahre später durch selbigen (mit Unterstützung von Markkula) entmachtet wurde. Nachdem sich Steve Jobs im Unternehmen viele Feinde gemacht hatte und eine Zusammenarbeit mit dem amtierenden CEO John Sculley kaum noch denkbar war, wurde Sculley im April 1985 durch den Vorstand dazu ermächtigt, Steve Jobs von seinem bisherigen Posten zu entbinden. In den folgenden Wochen zog Jobs alle Register, um das zu verhindern und selber noch viel Einfluss zu behalten. Sculley hatte ihn bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht in einen anderen Aufgabenbereich abgeschoben, daher glaubte Jobs, noch etwas bewegen zu können. So kontaktierte er zahlreiche hochrangige Apple-Mitarbeiter, um Sculleys Dienstreise nach China auszunutzen und eventuell Sculley zu ersetzen. Zuletzt besprach Jobs die Angelegenheit mit Jean-Louis Gassée (später Be Inc.), der jedoch Sculley über Jobs Putsch-Pläne informierte. In einer diesbezüglich einberufenen Sitzung fragte Sculley, was Jobs gegen ihn habe. Jobs antwortete, Sculley sei seiner Meinung nach schlecht für Apple und die falsche Person, um das Unternehmen zu leiten. Der Vorstand dachte anders und Jobs musste Ende Mai sein neues Büro mit Codenamen "Siberia" beziehen, von dem aus er keinerlei Einfluss mehr hatte. Natürlich konnte Jobs mit dieser Situation nicht leben und kehrte erst 1997, 12 Jahre später, wieder ins Unternehmen zurück.

Michael Spindler (CEO von 1993 bis 1996)

Michael Spindler Als Steve Jobs Mitte der 80er Jahre seiner Funktionen bei Apple enthoben wurde, bot Apple an, ihn dennoch als Chairman zu behalten. Acht Jahre später wiederholte sich die Geschichte in ähnlicher Weise; diesmal war hingegen CEO John Sculley der Betroffene, der ebenso wie Jobs nicht an einer einflusslosen Position interessiert war. Zu Sculleys Nachfolger wurde vor 17 Jahren Michael Spindler berufen. Der in Deutschland geborene und mit Spitznamen "Diesel" versehene Spindler stieg sehr schnell im Unternehmen auf und wurde nach nur vier Jahren schon Executive Vice President. Seine Verdienste lagen im Aufbau von Apple Europa, das bald schon mit 25 % zum Gesamtumsatz beitrug. Allerdings trug Spindler wenig dazu bei, den leckgeschlagenen Dampfer Apple wieder in sichere Gewässer zu steuern, stattdessen setzte sich der rasche Niedergang fort. Lagen 1994 und 1995 die Verkaufszahlen noch auf einem recht guten Niveau, brachen diese ein Jahr später ein. Mitte der 90er konnte Apple die ersten Macs mit PowerPC-Prozessor präsentieren; diese waren zu Anfang schneller als PCs mit Intel-Chips, dennoch war es nicht möglich, Microsoft Markanteile abzunehmen und sich gegen das enorm erfolgreiche Windows 95 zur Wehr zu setzen. 1996 stellte sich als der absolute Tiefpunkt des Unternehmens dar. Im Januar 1996 veröffentlichte Apples CEO Michael Spindler einen offenen Brief an die Apple-Fans. Eigentlich wollte er damit für Ruhe sorgen und bewirken, dass die Unsicherheit bezüglich Apples Zukunft nicht noch stärker wird, allerdings erreichte er sein Ziel nicht. Spindler betont, dass Apple gut gerüstet für zukünftige Entwicklungen ist, wenn man erst einmal Copland auf den Markt bringen könne, auf PowerPC basierende Produkte erscheinen, der Newton zu einem Erfolg werde und mit Pippin die Multimedia-Plattform mit Internet-Browser erscheine. Ebenfalls im Jahr 1996 ersetzte dann Amelio den gesundheitlich schwer angeschlagenen und mit der Idee, Apple an IBM, Sun Microsystems oder Philips zu verkaufen, gescheiterten Spindler.

Gil Amelio (CEO von 1996 bis 1997)

Gil Amelio Seit 1994 war Gil Amelio bereits im Vorstand von Apple. Nachdem Ex-CEO Michael Spindler mit seiner Idee scheiterte, Apple an IBM, Sun Microsystems oder Philips zu verkaufen, wurde Amelio zwei Jahre später selber CEO. Für Gil Amelio sprach die Erfahrung mit National Semiconductor, das er wieder in profitablere Gewässer gebracht hatte. Außerdem war ihm die IT-Branche nicht fremd, denn er war an der Erfindung des CCD-Sensors beteiligt. Allerdings fiel er an der Führungsspitze von Apple zunächst vor allem durch seine reichlichen Vergütungen auf: Abfindung für den privaten Jet, üppiger Lohn und ein Bonus bei Verkauf von Apple. Er ließ aber auch die Entwicklung am neuartigen Betriebssystem Copland einstellen, forcierte stattdessen die Entwicklung von Mac OS 8 und nahm Übernahmegespräche mit Be bezüglich des Be OS auf. Diese scheiterten; fast genau ein Jahr nach Amelios Amtsantritt übernahm Apple stattdessen NeXT für 429 Millionen Dollar. Eine nette Episode ist, dass es Steve Jobs war, der Amelio anrief, um ihm von BeOS abzuraten. Es ist letzten Endes Amelio zu verdanken, dass die Übernahme von NeXT klappte und das Mac OS zu dem wurde, was es heute ist. Amelio machte den Weg frei für Steve Jobs, der Apple wieder aus dem Tal herausholte.

Steve Jobs (CEO von 1997 bis 2011)

Steve Jobs Das Jahr 1997 stellte für Apple eine wichtige Zäsur dar; 12 Jahre nachdem Steve Jobs das Unternehmen verlassen hatte, kehrte er wieder zu Apple zurück. Die Grundlagen dafür wurden bereits im Dezember 1996 gelegt. Steve Jobs stand vor dem Problem, dass sich das Geschäft von NeXT nicht so entwickelte, wie er es gehofft hatte. Die Zeichen für einen Börsengang standen angesichts der schmalen Gewinne schlecht. Allerdings offenbarte sich eine Chance, die Steve Jobs dann nutze. Apple befand sich in der fast schon verzweifelten Lage, keinen Nachfolger des klassischen Mac OS präsentieren zu können. Im Dezember 1996 fand ein Treffen zwischen Steve Jobs und Apples CEO Amelio statt, ebenfalls anwesend waren Ellen Hancock sowie Douglas Solomon. Ganz offenkundig ging das Treffen positiv aus und der Weg war frei: Wenige Monate später präsentierte Apple nicht nur den neuen Interims-CEO, sondern war auch in der Lage, die Arbeit am neuen Betriebssystem aufzunehmen. Dieses erschien wenige Jahre später in Form von OS X. Der erste öffentliche Auftritt von Steve Jobs fand zur MacWorld Boston 1997 statt. Unter tosendem Applaus trat jener Mann vor das Publikum, der viele Jahre zuvor das Unternehmen hatte verlassen müssen: Steve Jobs. Doch nicht nur diese wichtige personelle Änderung wurde auf der MacWorld Boston 1997 zum Thema gemacht, auch mit einer weiteren Neuerung schockierte Jobs einige Zuschauer (Minute 27:00).

Der einstige Feind wurde per Videokonferenz in die Veranstaltung geladen und dort zum wichtigen Partner ernannt, Bill Gates von Microsoft. Jobs machte klar, dass der so genannte "Desktop War" vorbei ist und man Microsoft als wichtigen Partner sehe. Neben Microsofts Investition in nicht stimmberechtigte Apple-Aktien brachte die Partnerschaft den Mac-Anwendern mit dem Internet Explorer auch einen neuen Standard-Browser ein. Insgesamt gehört die MacWorld Boston 1997 zu einer der geschichtsträchtigsten Großveranstaltungen von Apple. Von nun an ging es Schlag auf Schlag. Der Newton starb, Clones waren Geschichte, der iMac wurde zu einem gewaltigen Erfolg, OS X entwickelte sich nach Startschwierigkeiten prächtig und Apples Marktanteile wuchsen. 2003 erschien der iTunes Music Store, der auch dem zwei Jahre zuvor präsentierten iPod mächtig Schub verlieh. Apple wurde zu einem der wichtigsten Spieler im Musikmarkt. 2007 kam das erste iPhone, 2010 das iPad. Heute steht Apple kerngesund da und zählt zu den wertvollsten Unternehmen der Welt. Ob das Steve Jobs zu verdanken ist? Mit Sicherheit auch, aber nicht nur. Es sind nicht nur die Visionen und Überzeugungen von Steve Jobs, sondern auch das fähige Team, welches hinter ihm steht und die Idee tatsächlich umsetzt. Aus vielen Fehlern der 80er und 90er Jahre wurde gelernt (zum Beispiel die schier unüberschaubare Modellvielfalt, die John Sculley zu verantworten hatte), sodass Apple seit 2001 ein kaum noch für möglich gehaltenes Comeback hinlegte.

Tim Cook (CEO seit 2011)

Tim Cook Tim Cook, eigentlich Timothy D. Cook, kam 1998 zu Apple, wo er zunächst für die Mac-Abteilung verantwortlich war. In dieser Zeit spielte er eine wichtige Rolle bei der weitergehenden Entwicklung strategischer Beziehungen mit Wiederverkäufern und Zulieferern. 2005 übernahm Tim Cook dann bei Apple die Rolle des COO (Chief Operating Officer) und leitete auf dieser Position die weltweiten Verkaufs- und operativen Prozesse des Unternehmens, inklusive des Managements der kompletten Zulieferkette von Apple, den Verkaufsaktivitäten sowie Service und Support in allen Märkten und Ländern. Hierbei war er auch maßgeblich für Apples Gewinnrekorde der vergangenen Jahre verantwortlich. So hat er Apples Lagerbestand von 437 Millionen US-Dollar auf das notwendige Minimum von rund 20 Millionen US-Dollar reduziert und Produktionsstätten verlagert sowie optimiert. In dieser Zeit übernahm Tim Cook auch mehrmals die Rolle des CEO (Chief Executive Officer), nachdem Steve Jobs aufgrund seiner Krebserkrankung und deren Folgen immer wieder eine Auszeit nehmen musste. Als sich Steve Jobs im August 2011 nicht mehr in der Lage sah, die Rolle des CEO irgendwann fortzusetzen, und zurücktrat, wurde konsequenterweise Tim Cook zum neuen Apple CEO ernannt.

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31.03.2011  (fen/sb)
 
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