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OS X 10.9 Mavericks: Die Programme

Navigation Mavericks-Serie:
Teil 1: "OS X 10.9 Mavericks: Die Programme"
Teil 2: "OS X 10.9 Mavericks: Finder, Dateien, Organisation"
Teil 3: "OS X 10.9 Mavericks: Technologien"
Teil 4: "Ist Ihr Mac fit für OS X 10.9 Mavericks?"


OS X 10.9 Mavericks: Die Programme

Kurz vor der offiziellen Veröffentlichung der zehnten Iteration des Apple-Betriebssystems OS X lohnt es sich, einen genaueren Blick auf das neue OS X 10.9 Mavericks zu werfen. In einem ersten Teil wird MacTechNews.de das Augenmerk auf die mitgelieferten Systemprogramme legen. Einige von ihnen wurden stark überarbeitet und bieten neue Funktionen, so etwa Safari und der neue Kalender. Bei anderen haben wir es gar mit Neuerscheinungen unter OS X zu tun: Apples Karten und iBooks finden den Weg von iOS zu OS X. Das Erscheinungsbild ist keinen so großen Änderungen unterworfen worden wie beim parallelen iOS-Update, doch auch in Mavericks gibt es vereinzelte Ausprägungen der neuen Design-Philosophie bei Apple.


Safari

Wie in jedem Generationswechsel von OS X wurde auch diesmal Apples Standardbrowser Safari mit neuen Funktionen erweitert und in seiner Leistung optimiert. Die offensichtlichste Änderung betrifft die Lesezeichen und die Leseliste, die nun in einer gemeinsamen Seitenleiste vereinigt wurden, nachdem sie bisher zwei eigenständige Knöpfe waren. Gemeinsam mit den hinzugefügten "Geteilten Links" gleicht diese in dunkelgrau gehaltene Ansicht also ihrem Äquivalent im mobilen Safari unter iOS 7.

Die Lesezeichen haben dabei die deutlichste optische Erneuerung erhalten: Bisher nahm die Ansicht der Lesezeichen das gesamte Safari-Fenster ein, nun beschränkt sich die Ansicht auf eine Leiste am linken Bildschirmrand, sodass der Rest des Browserfensters weiterhin den Webinhalt anzeigen kann. In dieser Liste reicht ein Klick auf ein Lesezeichen, um die zugehörige Seite im Hauptfenster zu öffnen und die Leiste trotzdem weiterhin anzuzeigen; dahingehend funktioniert die neue Lesezeichenleiste äquivalent zur Lesezeichen-Bar direkt unterhalb des Suchfeldes. Will man die Lesezeichen umbenennen, muss man sie länger gedrückt halten. Rechtsklicks erlauben das Einfügen von Ordnern zur übersichtlicheren Verwaltung oder das Ändern der zum Lesezeichen gehörigen URL. Die alte Ganzfenster-Listenanzeige ist noch über das Menü "Lesezeichen bearbeiten" oder den Kurzbefehl Befehl-Wahl-B erreichbar.

Die Leseliste funktioniert wie bisher als Sammlung von Webseiten, die man beim Surfen auswählt, um sie später - gegebenfalls auch ohne Internetverbindung - ansehen zu können. Das Plus-Symbol neben dem Suchfeld führte früher zu einem Aufklappmenü, in dem man bestimmen konnte, ob die ausgewählte URL ein Lesezeichen werden oder in die Leseliste eingefügt werden solle. In OS X 10.9 ist das Plus ein Ein-Klick-Hinzufügen in die Leseliste. Das fragliche Menü ist bei einem Rechtsklick weiterhin verfügbar. Hervorzuheben ist die Möglichkeit des kontinuierlichen Scrollen in der Leseliste, sodass am Ende einer Webseite in der Leseliste gleich die nächste angezeigt werden kann, ohne dafür einen Klick zu brauchen. Diese Funktion steht allerdings nur bei Gebrauch eines Trackpads oder der Magic Mouse mit Gestensteuerung zur Verfügung - Scrollräder funktionieren hier nicht, obwohl sie den gleichen Effekt abbilden könnten!

Die gemeinsame Seitenleiste beinhaltet in Mavericks auch noch einen dritten Reiter, die geteilten Links. Diese beinhalten alle über Twitter oder LinkedIn geteilten Links von Personen, denen man in diesen sozialen Plattformen folgt. Daher erscheint der gesamte Reiter erst, sobald man sich in einem dieser Netzwerke eingeloggt hatte. Empfangene Tweets können dann auch direkt weiterverteilt werden, ohne den Umweg über die Twitter-Seite oder -App.

Im Zuge des Redesigns bei Apple, der vor allem das mobile Betriebssystem iOS 7 betrifft, gibt es in Mavericks eine entsprechende Überarbeitung der "Top Sites"-Ansicht. Wurden die Fensterminiaturen bisher in einer Dreidimensionalität imitierenden Verzerrung inklusive Spiegelungen unter den Fenster angezeigt, entspricht die schlichte Rechtecks-Ansicht der Miniaturen vor Uni-Hintergrund in OS X 10.9 mehr den neuen minimalistischeren Grundsätzen. In den Einstellungen kann festgesetzt werden, ob sechs, zwölf oder 24 Miniaturen als Direktlinks für beliebte Seite angezeigt werden sollen.

In puncto Leistung verweist Apple gerne auf einige Benchmark-Tests, in denen das neue Safari sowohl in Sachen Geschwindigkeit als auch Speichernutzung und CPU-Verbrauch deutlich besser abschneidet als die direkten Konkurrenten Google Chrome und Mozilla Firefox. Ermöglicht wird dies durch neue Elemente der WebKit Engine wie etwa ein neues Nitro tiered Just In Time und Nitro Fast Start, mit denen durch effizienteres Ausführen von Code ein schnellerer Aufbau bereits besuchter Seiten ermöglicht werden soll. Mit Hilfe des Werkzeugs Safari Power Savers wird der Energieverbrauch optimiert, indem im Hintergrund oder außerhalb des Sichtbereichs befindliche Webseiten ebenso wenig Energie zugeteilt bekommen wie nicht einsehbare Plug-Ins. Diese können bei Bedarf per Klick aktiviert werden.

Generell können nun via Sicherheitseinstellung im Browser installierte Plug-Ins für jede Webseite einzeln ein- oder ausgeschaltet werden, beispielsweise der Flash Player. Auf diese Weise können diese Elemente, die auf manchen Seiten als hilfreich, auf anderen als störend empfunden werden, besser eingesetzt werden.



Apple Karten

Die Verzahnung der beiden Apple-Betriebssysteme iOS und OS X drückt sich auch darin aus, dass bisherige mobile Apps ab Mavericks auch in OS X verfügbar sein werden. Dazu gehört auch Apples hauseigenes Kartenprogramm.

Die Funktionalität ist so, wie man es von iOS her kennt: Karten der ganzen Welt, ausgestattet mit Auto- oder Fußfänger-Routenfunktion, 3D-Elementen, Beschreibung von interessanten Orten sowie Reviews, die Nutzer über die Plattform Yelp eingegeben haben. Man kann zwischen Standard-Ansicht, Satelliten-Fotos und einer Hybrid-Ansicht wählen. Echtzeit-Verkehrsinformationen sollen die Fahrten von A nach B optimieren, indem automatisch alternative Routen gesucht und gefunden werden.

Karten auf OS X arbeiten eng mit Karten auf iOS zusammen; so kann man schnell und unkompliziert am Rechner erstellte Routen auf das iPhone schicken, um dann die Reise mit dem Mobilgerät als Navi anzutreten. Weiterhin können Routen auch auf anderen Wegen, E-Mail, Facebook, Nachrichten oder Twitter, geteilt werden. Erstellte Lesezeichen von bestimmten Orten werden über iCloud mit den anderen Apple-Geräten des Nutzers synchronisiert.

Da einem Desktop-Computer deutlich mehr Rechenleistung und in der Regel auch ein schnellerer Internetzugang zur Verfügung stehen, arbeiten Apples Karten auf dem Mac sehr flüssig in Zoom, Bewegung und Routen-Berechnung. Der große Mac-Bildschirm bietet natürlich auch einen viel größeren Überblick über die betrachtete Karte als das kleine iPhone-Screen.

Mit dem Übergang von Apples Karten auf OS X geht auch eine Integration dieses Dienstes in weitere Systemprogramme einher, etwa in Mail, Kontakte und Kalender, die ab Mavericks alle auf die Karteninformationen zurückgreifen können.



iBooks

Die zweite App, die mit Mavericks ihren Weg von iPhone und iPad auf den Mac schaffen wird, ist die E-Book-Anwendung iBooks. Auch hier ist die Funktionalität von iOS auf dem Desktop-Betriebssystem übernommen und leicht erweitert worden.

Wie im iOS-Pendant hat man künftig auch unter OS X Zugriff auf den iBookstore mit inzwischen über 1,8 Millionen Büchern, die analog zum App Store gekauft und heruntergeladen werden können. Innerhalb der Bücher sind Schriftart und -größe, sowie Formatierung und Hintergrundfarbe anpassbar. Einzelne Wörter können markiert, unterstrichen oder in einem Lexikon oder Wikipedia nachgeschlagen werden; es besteht die Möglichkeit, Textpassagen vorlesen zu lassen oder direkt über E-Mail, Nachrichten, Facebook oder Twitter zu teilen. Einfügbare Notizen und Lesezeichen runden den bekannten Funktionsumfang ab.

Wer über ein Trackpad oder die Magic Mouse von Apple verfügt, kann innerhalb von iBooks auf die aus iOS gewohnte Gestensteuerung zurückgreifen. Im Zuge der Verzahnung von iOS und OS X werden Lesezeichen, Notizen und Markierungen über iCloud synchronisiert.

Ebenso wie die Apple Karten nutzt auch iBooks den größeren zur Verfügung stehenden Bildschirm eines Macs und erlaubt daher das gleichzeitige Öffnen mehrerer Bücher. Kopiert man Textpassagen aus iBooks heraus, befindet sich in der Zwischenablage nicht nur der kopierte Text sondern gleich die wissenschaftliche Zitierweise mit Quellenangabe.



Kalender

Der Apple-Kalender hat für OS X Mavericks eine gründliche Überarbeitung erhalten, sowohl was seine Aufmachung als auch die Navigation und die Terminerstellung anbelangt.

Als erstes fällt das neue Design auf, das den Spuren folgt, die Jonathan Ive mit iOS 7 vorgegeben hat: Wie erwartet ist das Ledereinband verschwunden und wurde durch eine schlichte graue Fensterleiste ersetzt. Innerhalb der bekannten Kalenderansicht für einen Tag, eine Woche, einen Monat oder ein Jahr gibt es fortan deutlich weniger Einteilungslinien.

Die Navigation erfährt Neuerungen, die einmal mehr nur für Nutzer eines Trackpads oder der Apple Magic Mouse erfahrbar sind: die Gestensteuerung und das kontinuierliche Scrollen. Mit einem schnellen Zwei-Finger-Swipe zu den Seiten springt die Anzeige von einem Tag (oder auch Woche, Monat oder Jahr) auf den nächsten. Innerhalb der Wochen- und Monatsansicht führen langsame Zwei-Finger-Swipes zu kontinuerlichen Wechseln, sodass auch beispielsweise eine Woche Donnerstag bis Mittwoch oder Wochen von Monatsmitte bis Monatsmitte angezeigt werden können. Die Idee des (haptischen) Blätterns weicht einmal mehr der Idee des (digitalen) Scrollen.

Der bekannte Funktionsumfang rund um mehrere Accounts, Einbindung von Erinnerungen und Zeitzonen-Unterstützung wird in Mavericks ergänzt um die Möglichkeit, Wochenzahlen einzublenden, und vor allem durch einen neuen Infofenster zum Bearbeiten von Terminen.

Bislang war es stets notwendig, im Terminfenster auf "Bearbeiten" zu drücken, bevor sich alle Optionen öffneten. In der neuen Version öffnet sich sofort die editierbare Variante. Wie bisher kann man den Termin benennen, mit einem Ort versehen, Anfangs- und Endzeit setzen, Teilnehmer, Notizen, Anhänge oder URL hinzufügen. In Mavericks jedoch ist das Fenster schlanker, die einzelnen Elemente öffnen sich erst, sobald man sie anklickt, sodass mit Notizen, Anhängen und URL kein Platz verloren geht, wenn man solche gar nicht einfügen will. Im Teilbereich für das Zeitfenster des Termins kann man nun auch Reisezeiten manuell hinzufügen oder auch berechnen lassen und die Erinnerungsfunktion direkt aktivieren. Füllt man den Ort mit einer Adresse oder dem Namen eines Bekannten aus dem Adressbuch aus, so zeigt der Kalender innerhalb des Infofensters einen entsprechenden Ausschnitt aus den Apple-Karten. Sogar die Wettervorhersage für den Zeitpunkt des Termins ist Teil des Infofensters.



Die Frage des Skeuomorphismus

Im Rahmen der Entwicklung, Vorstellung und nun Verbreitung von iOS 7, dem neuesten mobilen Betriebssystem von Apple, wurde viel über die neue Design-Linie geschrieben und gestritten. In dem radikalsten Redesign der iOS-Geschichte wurden weite Teile des Skeuomorphismus über Bord geworfen und durch einfachere, flachere Grafikelemente ersetzt.

Ein solch radikaler Schnitt im Design wird es im Desktop-Betriebssystem auch mit OS X 10.9 Mavericks nicht geben. Das Dock wird weiterhin spiegeln, das Mail-Icon weiterhin mit einem Adler geziert. Selbst die Erinnerungen und das Game Center, die in iOS 7 einen komplett neuen Look erhielten, werden in Mavericks ihr altes Icon und ihre alten Oberflächen behalten.

Trotzdem finden sich Spuren der neuen Design-Philosophie auch in Mavericks. Von der graphischen Oberfläche im Kalender wurde bereits geschrieben, ebenso von der Top Sites-Liste innerhalb Safaris. Ebenfalls entfernt wurde die Adressbuch-Imitation in den Kontakten. Diese treten nun ebenfalls mit der grauen Standard-Fensterleiste auf. Auch das Anmeldefenster nach dem Systemstart ziert fortan nicht mehr das Stoffimitat als Hintergrund, sondern ein grauer Farbübergang, der sehr an iOS erinnert.

Ob und wie weit es mit weiteren System-Updates von OS X nach Mavericks auch hier zu einer radikalen Überarbeitung der Oberflächen kommt, ist noch reine Spekulation. Das Echo auf das iOS-Design jedenfalls ist geteilt.